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Wandern auf Thassos – auf Maultierpfaden und Küstenwegen um Panagia

Griechenland, Thassos

Weiße Flecken lugen aus dem dichten Grün hervor, als sich unsere Fähre auf die nördlichste Insel Griechenlands, Thassos, zubewegt. 21 Marmorsteinbrüche gibt es auf der Insel, 14 davon sind noch in Betrieb. In die Vereinigte Arabische Emirate, die USA oder nach Dubai wird der strahlend weiße Marmor exportiert – der Weißeste weltweit soll er sein. Erzmetalle und Silbervorkommen liegen wohl ebenso unter den bewaldeten Bergen. Reich ist die Insel, so reich, dass ihr die Wirtschaftskrise nichts antun konnte und auch der Tourismus nur ein Wirtschaftszweig unter anderen ist.

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Auf eine lange Tradition blickt auch die Olivengewinnung zurück, die ins 19. Jahrhundert hineinreicht, als  einige Klöster vom Berg Athos bedeutende Grundstücke auf Thassos erwarben und Klostergüter gründeten. Nur hier auf dem kalksteinhaltigen Boden wächst und gedeiht die Throumba-Sorte. Fallen andere Oliven nach der Reifung in ihrer dunklen Farbe schließlich ab, vertrocknen die Oliven dieser Sorte am Baum. In der Sotirelis Olive Oil Factory von Panagia kann man die über 100 Jahre alte Ölmühle der Familie Sotirelli besichtigen und mehr über die Produktion erfahren.

Olivenhaine, Wälder, Berge und das türkisfarbene Meer – der mitteleuropäische Tourist findet auf 380 km² paradiesische Bedingungen vor, um sich zu erholen. Auch wenn die Strände selbst im September noch locken, sind es die vielen Wanderwege, die mich besonders reizen – und das ländliche Leben.

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Durch das Grillenzirpen verschafft sich der harte Schlag eines Balls den Weg in mein Zimmer. Immer wieder schallt das Geräusch des Abschusses den Berghang hinab. Ein kleiner Bach rauscht sanft im Hintergrund. Stille umschließt das idyllische Dorf mit seinen typischen Schieferdächern, Kanälen und Brunnen. In der Ferne bellen Hunde. Dann schlafe ich ein.

Die Leichte: Wanderung von Panagia nach Potamia

Am nächsten Morgen dringt der Glockenschlag der Marienkirche am Fuße des Profitis Ilias durch das geöffnete Fenster. Die Sonne erwärmt den Bergrücken noch während ich beim Frühstück sitze. Um 10 Uhr mache ich mich mit meiner Wandergruppe von Weltweitwandern auf den Weg in das Nachbardorf Potamia. Die Wanderung erfordert nicht viel Kondition, sie bietet aber erste schöne Blicke auf die Badebucht Golden Beach (oder Chryssi Ammoudia). Das Meer funkelt in der Ferne und verschwimmt mit dem Himmel. Am Wegesrand finden sich neben Kräutern wie Salbei, Minze und Oregano auch Brombeeren, Feigen und Walnüsse. Kleine Snacks gibt die Natur für uns her. Wer nicht satt wird, kann sich in einer der Tavernen am Dorfplatz von Potamia verpflegen.

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Auch unser Ziel ist das Grill Restaurant Platanos. Auf der gegenüberliegenden Terrasse des Kafenion sitzt eine kleine Männergruppe bei einem Frappé. Nur der Linienbus, der sich mühevoll durch die engen Gassen windet, bringt etwas Unruhe in diese beschauliche Szenerie. Zurück nach Panagia nehmen wir den alten Maultierpfad, der uns noch einmal durch die kühlenden Pinien- und Kiefernwälder führt.

Dauer: 2,5 Stunden
Entfernung: ca. 9 km
Anspruch: Einfach, wenig Steigung.

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Einmal bergab: Wanderung von Panagia zum Golden Beach

Am Nachmittag lockt uns bei schweißtreibenden Temperaturen dann noch der Strand, der sich 4 km unterhalb unseres Bergdorfs Panagia befindet. Und so lassen wir die Wanderschuhe an und laufen zur Drachenhöhle, die für Funde von bis zu 500 v. Chr. bekannt ist und während der Piratenzeit eine wichtige Rolle für die Insulaner spielte. Von hier nehmen wir teils Pfade, teils die Straße hinab zur Badebucht Chryssi Ammoudia. Hätten wir etwas mehr Zeit, würde sich der szenisch schöne Küstenwanderweg anbieten, der idyllisch am Berghang entlangführt. Doch dieser Weg dauert auch länger, weshalb wir die Abkürzung über Straße und später Staubpisten durch Olivenhaine präferieren.

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Nicht einmal eine Stunde später stehen wir vor den Dünen. Dahinter lugen Sonnenschirme hervor. Vor uns liegt ein schmaler Sandstreifen, der hell in der Sonne glitzert und als Catwalk zum türkisfarbenem Meer dient. Der Golden Beach ist mit seinen 3,5 km der längste Strandstreifen der Insel. Die müden Füße finden hier schnell ihre Erfrischung. Ich lege mich auf mein Tuch in den warmen Sand und lasse nur den Wellenschlag auf mich wirken. Das Meer scheint alle Geräusche zu absorbieren. Sonnenliegen können für diejenigen, die mehr Komfort bevorzugen, gegen eine Gebühr (ca. 5 EUR) gemietet werden.

Dauer: 1 Stunde
Entfernung: ca. 4 km
Anspruch: Einfach, immer bergab, mit dem Ziel vor den Augen.

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Szenisch schön: Wanderung von Limenas über den Marmorstrand zum Golden Beach

An meinem wanderfreien Tag zeigt sich keine Sonne am Himmel. Den Badeausflug ersetze ich somit durch eine szenische Küstenwanderung. Doch ganz auf das Meer möchte ich an diesem fröstelnden Tag doch auch nicht verzichten. Ich nehme mittags den Bus von Panagia zur Insel-Hauptstadt Limenas, die ich am alten Fischhafen verlasse. Tavernen säumen den Weg, der sich um das Hafenbecken schlängelt. Im Wasser schippern alte Kähne. Netze liegen auf der Mole. Am Ende liegt die Strandbar Karnagio szenisch schön. Bei schönem Wetter wäre hier sicherlich der richtige Platz für einen Drink und ein Bad. Von hier erreiche ich die alte Festungsanlage auf dem Hügel. Griechenland, Thassos Griechenland, Thassos Griechenland, Thassos Griechenland, Thassos

Die antike Stadt war nach zahlreichen Piratenüberfällen verlassen, die Bewohner zogen sich in die Berge zurück. Im Laufe des Vierten Kreuzzuges kamen die Kreuzfahrer in den Bereich der ehemaligen Stadt und errichteten aus den Trümmern der dortigen Tempelanlagen eine Zitadelle auf dem Pythion-Plateau. Heute erobert sich die Natur die Akropolis mit Burgruine ein Stück weit zurück. Und so ist nicht nur das Setting auf dem Berg mit dem wunderschönen Blick über die Stadt und das Meer den kleinen Abstecher wert. Der Wind umsäuselt das Gestein, das etwas zugewachsen eine besondere Mystik versprüht. Hoch oben stemmt sich eine griechische Flagge gen Himmel. Unter ihr setze ich mich nieder und verfalle dem herrlichen Gedanken, irgendwo zwischen Himmel und Erde zu verweilen.

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Nach einer kurzen Weile setze ich die Tour fort. Atemberaubende Ausblicke auf die Küstenlinie öffnen sich weiterhin auf der Strecke. Auf der Wanderung hätte ich öfter die Gelegenheit für Badepausen, wäre es an diesem Tag schöner. Makrymatos zählt beispielsweise dazu. Das besondere Highlight dieser Küstenwanderung ist der Marmorsteinbruch mit seinen zwei dazugehörigen Stränden. Diese erstrahlen karibisch weiss selbst unter dem wolkenverhangenen Himmel. Kräne und andere Verladegerätschaften verleihen dem ganzen einen industriellen Charme gepaart mit dem Gefühl des Besonderen. Hinter dem zweiten Marble Beach durchquere ich eine Marmorverladestation am Meer. Alles liegt recht verlassen an diesem Septembertag. Schirme werden abgebaut, Gäste gibt es keine, wo im Hochsommer der Run auf die limitierten Liegen groß ist. Griechenland, Thassos Griechenland, Thassos Griechenland, Thassos

Staubwolken auf dem Weg sollen eine Wanderung zu den Marmorstränden ebenfalls erschweren. Doch wo kaum Menschen sind, sind auch nur wenige Fahrzeuge und somit ertragbare Mengen an Staub. Doch die Nadeln der Pinien haben dafür ihr weisses Kleid übergezogen und geben einen kleinen Einblick in das Kostüm, das sich mir an einem sonnigen Tag überstreifen täte.Griechenland, Thassos Griechenland, Thassos Griechenland, Thassos Griechenland, Thassos

Der Weg schlängelt sich immer direkt an der zerklüfteten Küste entlang, Schafe und Ziegen stellen sich mir hier und da in den Weg. Hinter jeder Kurve erwarte ich den Blick auf den Golden Beach und werde doch nur mit einer weiteren unbewohnten Bucht belohnt.

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Es soll noch ca. 1,25 Stunden dauern, bis ich mein Ziel, den Golden Beach, erreiche – und meinen Bus um 2 Minuten verpasse. Vielleicht sind es auch ein paar Minuten mehr, denn der Bus in Chrissi Ammoudia fährt doch immer etwas früher ab.

Dauer: 3-4 Stunden
Entfernung: ca. 13 km
Anspruch: Einfach, wenig Steigung, überwiegend auf gleiche Höhe, an der Küste entlang.

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Die Honigroute: Wanderung von Panagia nach Limenas

Meine letzte Wanderung mit weltweitwandern führt mich ein weiteres Mal in die beschauliche Insel-Hauptstadt Limenas. Wieder liegt der Duft der Pinien in meiner Nase. Honigkästen zieren den Weg. Daher ist doch immer etwas Vorsicht geboten. Die Strecke vom Bergdorf Panagia führt durch dichten Wald und folgt der alten Handelsroute von Theologos nach Limenas. Behutsam und mit Vorsicht setze ich meine Schritte auf dem alten Gestein. Wieder öffnen sich beeindruckende Ausblicke auf die Marmorsteinbrüche- und werke. Unterwegs kommt man an der kleinen Kapelle Agios Anthanasios vorbei, die eigentlich aus zwei Kapellen besteht und den drei Heiligen Rafael, Nikolaos und Irini geweiht ist. Eine Rast bietet sich hier an. Fehlt der Snack, nimmt man ihn sich vom Boden, der von Walnüssen übersät ist. Da auch die weitere Strecke durch eine weites Tal unter Laub- und Nadelbäumen viel Schatten bietet, ist sie auch für heiße Tage gut geeignet.

Dauer: 3 Stunden
Entfernung: ca. 9 km
Anspruch: Einfach, wenig Steigung, am Ende bergab.

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Abschied von der Insel

Der frische Duft des nächtlichen Regens legt sich in die engen Gassen von Panagia. Ich schlendere durch den Ort, schaue hinein in die Läden und hinauf zu den Fenstern, hinter denen langsam das dörfliche Leben erwacht. Türen füllen sich mit Bewegung und Klängen, geben Einblick in die Intimsphäre, ohne exhibitionistisch zu erscheinen. Eine ältere Frau im Nachthemd schließt hurtig ihre Fensterläden, sie entzieht sich dem neugierigen Blick. Eine Gruppe russischer Touristen kommt um die Ecke. Auch ich entfliehe der Szenerie, die eher ein Weniger verträgt. Eine ältere Dame spaziert zügigen Schrittes an mir vorbei. Im schwarzen Kostüm mit Lederhandtasche zeigt sie sich adrett an diesem Samstagmorgen.

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Das Bellen der Hunde legt sich über das Dorf, Stimmen hallen durch die Gassen. Katzen begrüßen den Tag dezenter in Tür- und Fensterrahmen. Der Bäcker löst mit müdem, abgestütztem Kopf Kreuzworträtsel. Das Wenige, was passiert, geschieht mit Anmut und faszinierender Langsamkeit, ohne der Zeit hinterherzueilen und der Angst, etwas zu verpassen. Denn pünktlich sind auf Thassos dennoch alle, mit denen ich in Kontakt trat. Besonders seien die Busfahrer zu erwähnen, die immer ein paar Minuten vor offizieller Abfahrtszeit die Fahrt antraten.

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Die Liebe zum Leben und zur Einfachheit verzaubern mich ein letztes Mal. Es ist das Schnörkellose, Dezente, was mich in der Bergwelt von Thassos ergreift. Im Kafenion am Dorfplatz sitzen immer Männer – ältere, jüngere – nur selten eine Frau. Sie unterhalten sich bei einem Frappé und schauen, was der Film der Straße so zu bieten hat. Und so treffen ihre Blicke häufiger auf meinen, wenn ich an ihnen vorbeischlendere. Immer mit einem kurzen Zögern, ob ich mich dazusetzen soll. Allein dieser Gedanke ist vielleicht schon zu deutsch. In Griechenland meldet man seinen Besuch nicht an, man ist einfach da, lachte meine Wanderführerin Chrisula, die vor über 20 Jahren in die Heimat ihres Vaters zurückgekehrt ist. Die verlorene Spontanität unserer Welt liegt hier noch auf dem Boden. Und auch die des Genusses.

Aschenbecher zieren die Tische in jedem Restaurant, Rauchwolken ziehen durch die Lüfte. Das Zeichen der Unbeugsamkeit, Unbändigkeit und Freiheit und des Genusses legt sich über die Köpfe. Und dahinter thront die Bergkulisse von Thassos und das türkisfarbene Meer.

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Was man sonst noch wissen sollte?

  • Anreise über Flughafen Kavala und dann mit Fähre von Keramati oder Kavala auf die Insel
  • Unterkunft in Panagia: Hotel Theo
  • Restaurants:
    Panagia: Taverne Platanos
    Potamia: Grill Restaurant Platanos
    Chrissi Ammoudia: Ammos
    Limenas: Namaste
    Kastro: Kostas
  • kleine Lebensmittelshops sind in Panagia vorhanden, zudem Ölmühle mit Ölverkauf und Laden mit breitem Honigangebot; nächster Supermarkt in Limenas
  • nächster Strand von Panagia: Golden Beach  mit Bus oder zu Fuß (4 km) erreichbar, sollte man keinen Mietwagen haben

Mehr in Kürze zu:

  • Besteigung des Ipsarion und Wanderung zum unbewohnten Ort Kastro
  • Kajaktour durch die Nestos-Schlucht

Der Beitrag entstand im Rahmen einer Reise mit Weltweitwandern. Meine Meinung bleibt dabei unberührt. 

2 Kommentare

  1. Waltraud Hattinger sagt

    Danke für diesen tollen Bericht und die beeindruckenden Fotos. Besser könnte man die Stimmung auf Thassos nicht beschreiben!

    Liebe Grüße,
    Waltraud

    • Dankeschön, liebe Waltraud! Es hat mir viel Freude bereitet, gemeinsam mit Dir und den anderen gemeinsam die Insel wandernd zu entdecken! Ganz liebe Grüße nach Österreich, Madlen

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