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Spanisch lernen in Quito

Sprachschule Simon Bolivar, Quito

Es ist wie immer auf Reisen, nicht nur mein Körper braucht ein paar Tage, um anzukommen, sondern auch meine Sprachkenntnisse müssen immer wieder auf’s Neue aus dem Schlaf geweckt werden. Reist man zu zweit, ist das noch schwerer. Daher habe ich mich nach meinen unzähligen Spanischstunden in der Volkshochschule und zwei Spanischwochen in Spanien und Bolivien erneut für Sprachunterricht entschieden. Zurück auf die Schulbank, heißt es in den ersten Tagen meines Quito-Aufenthaltes.

Eingang zu unserer Sprachschule Simon Bolivar

Eingang zu unserer Sprachschule Simon Bolivar

Ich hätte eigentlich überall mein Spanisch aufbessern können, doch nach meiner letzten Reise nach Südamerika wusste ich, nicht nur die Kolumbianer sprechen „schönes“ Spanisch, sondern auch die Quiteños. Langsam und deutlich formuliert Luis, mein Lehrer, jeden Satz. Er tut das nicht, weil ich seine Schülerin bin. Auch wenn ich Gesprächen zwischen den Lehrern lausche, verstehe ich 90 Prozent, diese Quote würde ich an der Küste und anderswo nicht erreichen. Ein weiteres Entscheidungskriterium, das für Quito spricht, ist eindeutig der Preis. 8 bis 10 USD pro Einzelstunde sind fast nicht zu toppen und das bei guter Qualität.

Unser persönliches Lehrerteam in der Sprachschule Simon Bolivar

Unser persönliches Lehrerteam in der Sprachschule Simon Bolivar

Jeden Morgen von 8.30 bis 12.30 Uhr begebe ich mich auf meinen Schulweg in die Calle Foch. Dort liegt ein wenig abseits vom Touristenmagnet Plaza Foch die Sprachschule Simon Bolivar, benannt nach dem großem Libertador. Dieser ziert mit einem Gemälde auch gleich den Flur der Schule. Jeden Morgen führt mich mein Weg als erstes in die Küche, in der Kaffee, Wasser und Tee bereit stehen. Dann geht es zwei Stockwerke hinauf in mein Klassenzimmer. Mit einer verglasten Wand werde ich nicht nur von der Sonne verwöhnt, sondern auch mit einem guten Ausblick. Ein wohliges Ambiente fördert natürlich auch bei mir den Lernerfolg. Während Lars ein Stockwerk tiefer die Basics der spanischen Sprache mit Sandra paukt, liegt mein Fokus auf Konversation kombiniert mit Grammatik. Wie ein kleiner Schatz wird Stunde für Stunde mehr verloren geglaubtes Wissen aus den Tiefen meines Gedächtnisses gehoben. Das gute an meinen Stunden ist, dass ich gleichzeitig viel über die Ecuadorianer und deren Kultur, Politik und Ökonomie erfahre. Der Bezug zum Land hilft ungemein. Wir unterhalten uns über Yasuni, dann wieder über die Rosenfarmen und dann über die Bildungspolitik – bis uns um 10.30 Uhr eine halbstündige Pause unterbricht.

Unsere Frühstückspause im Hof

Unsere Frühstückspause im Hof

Lars lernt individuell mit seiner Lehrerin Sandra

Lars lernt individuell mit seiner Lehrerin Sandra

Jeden Tag wird hier neben Getränken noch ein Goody gereicht – mal sind es Früchte, mal sind es Brötchen oder auch der für Ecuador typische Baumtomaten-Saft. Im Garten der Sprachschule oder im Computer- bzw. Aufenthaltsraum kommt man mit den anderen Schülern ins Gespräch. Neben vielen jungen Deutschen und Skandinaviern, die als Volunteer arbeiten, gibt es auch Schüler in unserem Alter und älter, die am DELE arbeiten oder einfach ihr Sprachwissen wie ich auffrischen wollen.

Unser Lehrmaterial

Unser Lehrmaterial

Ausflug auf den Nachtmarkt

Ausflug auf den Nachtmarkt

Salsastunden als Abendprogramm der Sprachschule

Salsastunden als Abendprogramm der Sprachschule

Frühstückspause

Frühstückspause

Wenn wir mittags gehen, kommt die „Nachmittgasschicht“. Es lohnt sich durchaus, eine Unterkunft in der Nähe zu suchen, denn jeden Tag ab 17 oder 17.30 Uhr folgt das Abendprogramm. Der Blick über den Tellerrand steht auch hier ganz weit oben. Mal wird gemeinsam typisches ecuadorianisches Essen gekocht, dann erfährt man wieder etwas über Schamanismus und Geschichte oder schaut Filme. Auch Salsastunden und Fußball stehen im Programm. Neben dem Socializing-Aspekt wird hier in lockerer Atmosphäre die Sprache gefestigt. Ein besonderes Highlight war der Markttag in Saquisili. Schon auf der zweistündigen Busfahrt haben wir uns mit unseren Lehrern über die Umgebung unterhalten. Im Ort selbst besuchten wir in unseren Lerngruppen vier Märkte und unterhielten uns mit den Marktverkäufern. Natürlich haben wir auch viele Fotos gemacht. Kaum war ich nachmittags in Quito zurück, ging es noch auf eine Nachtexkursion. Quito von oben im Dunkeln war hier das Motto. Wir fuhren in Gegenden, die wir wohl nicht allein um diese Uhrzeit besucht hätten.

Gemeinsamer Kochabend

Gemeinsamer Kochabend

Nach dem Intensivtraining nehme ich noch vereinzelte Stunden und überlege aktuell, diese in Deutschland fortzuführen, denn auch Sprachunterricht über Skype ist möglich. Und da mir die Lehrer sehr ans Herz gewachsen sind und ich den Quiteño Style mag, ist das für mich durchaus eine Option. Denn wozu braucht man schließlich ein vosotros? Und auch Sätze wie „das ist Lehrbuch-Spanisch“ oder „das sagen die Spanier, aber nicht wir“ sind mir sehr sympathisch.

Was man sonst noch wissen sollte:
Der Einzelunterricht kostet 9 USD pro Stunde. Zu zweit mit einem Lehrer zahlt man nur 6 USD.
Die Sprachschule liegt zentral im Backpacker- und Ausgehviertel Mariscal. Übernachtungen in Familien und Volunteer-Programme können mit organisiert werden.

Wir wurden von der Simon Bolivar Spanish School unterstützt. Alle Ansichten sind unsere eigenen.

8 Kommentare

  1. In Quito hatte ich 1991 meinen ersten Spanisch-Unterricht neben der Uni. 1:1-Unterricht und das Wissen gleich anschließend auf der Straße testen ist so wertvoll! „Vosotros“ darf aber im Sprachschatz nicht fehlen : )

    • Vor Ort bleibt es am besten hängen. Aber leider bin ich beim Merken nicht sprachtalentiert. Denn kaum bin ich in Deutschland, ist immer alles weg ;-( Aber Vosotros darf ja ruhig verschwinden. Hier lehren sie es noch nicht mal, in Bolivien haben sie es wenigsten trotzdem mit erwähnt… LG, Madlen

      • Evelyn sagt

        In Lateinamerika wird Vosotros nicht verwendet, aber ich denke, dass es schon sinnvoll ist dies zu lernen. Das weglassen ist dann einfacher als es später hinzuzulernen. Ich habe mit einigen Reisenden gesprochen, die einen Sprachkurs gemacht haben, und an den meisten Schulen in Südamerika wird es nicht gelehrt. Ich hatte für einige Wochen bei Ailola Quito (http://www.ailolaquito.com) Spanisch gelernt und dort wurde es im Unterricht verwendet.

  2. Ich muss mein Spanisch auch bald mal wieder auffrischen, ich merke wie mir so langsam die Vokabeln abhanden kommen… Ende des Jahres werde ich hoffentlich wieder ein bisschen Porteño-Spanisch lernen in Buenos Aires. Wobei mir das Spanisch in Kolumbien bisher am besten gefiel (und auch besser verständlich war). Ecuador steht noch auf meiner Wunschliste.
    Und ja, das vosotros ist wirklich nicht notwendig… ;-))

    • Obwohl ich hier viel reise, verschwindet es im Berliner Alltag. Aber mit dem Porteño-Spanisch habe ich so meine besonderen Probleme. Da ist mir zu viel schschsch drin 😉 Bin schon gespannt auf Deine Reise nach Argentinien. LG, Madlen

  3. Ach, mein letzter Spanischunterricht ist auch schon wieder eine Weile her … Aber ohne diesen hätten wir uns ja nie kennengelernt :-)

    Nach meinem letzten Wochenende jetzt in Barcelona war ich auch wieder voll im Spanischfieber und lese jetzt wieder vermehrt Bücher auf Spanisch :-) Immerhin …

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