Allgemein, Kuba, maddyswelt
Kommentare 3

Süßes Trinidad – eine Zeitreise in die Vergangenheit Kubas

Trinidad, Kuba

Das Hufklappern der Pferdekutschen auf dem Kopfsteinpflaster gibt in den engen Gassen von Trinidad den Takt an. Hinter den farbenfrohen Häuserfassaden liegen üppig begrünte Patios, durch die Musik schallt. Überall auf den Straßen wird kräftig gemalert – das muss wohl an dem nahenden 500jährigen Stadtjubiläum liegen, das Trinidad zu neuem Glanz verhelfen soll. Doch benötigen die bröckelnden Fassaden gar nicht mal den neuen Anstrich – Trinidad lebt von dem Charme seiner Vergangenheit, der aus der Zeit des Zuckerbooms herrührt.

Trinidad –Zwischen Palästen und schmetternden Rhythmen

Prächtige Paläste und Villen, die im 18. und 19. Jahrhundert von Zuckerbaronen errichtet wurden und heute meist als Museum dienen, säumen den Plaza Mayor. Wir setzen uns auf eine schattige Bank zwischen Palmen und bronzene Windhunde nieder und beobachten die Passanten – eine Mischung aus Trinitarios und Reisegruppen schlendert über den Platz.

An der Nordseite sticht die Iglesia Parroquial de la Santísima Trinidad ins Auge. Die einzige fünfschiffige Kirche Kubas muss ohne Turm auskommen, weil sich der Pfarrer einst mit dem Geld nach Spanien aus dem Staub gemacht hat. Wir besuchen das im gelben Palacio Brunet untergebrachte Museo Romántico neben der Kirche. Das Museum gibt einen Einblick in das Leben der Zuckerbarone und zeigt neben Möbeln und Kristall viele Gegenstände aus dem alltäglichen Leben der Familien. Einen besonders schönen Blick über den Platz und auf den Konvent San Francisco mit seinem Glockenturm genießen wir vom Balkon im zweiten Stock.

Hinter uns liegen im Norden die von Wolken umspielten Berge der Sierra del Escambray, nur wenige Kilometer südlich befindet sich die Karibik. Nicht nur die Lage ist malerisch, sondern auch jeder einzelne Straßenzug. Die Trinitarios unterhalten sich durch die kunstvoll geschmiedeten Gitter, die die hohen Fenster zieren und die oft mit Vogelkäfigen geschmückt sind. An der Straßenecke Simón Bolívar und José Martí haben sich vier Männer Hocker und Tische auf die schattige Seite der Straße gestellt und spielen Domino. Wir biegen in die Calle Simon Bolivar ein, aus der Son-Musik tönt. Vor einer hellblauen Hauswand sitzen fünf alte Herren der Grupo Los Pinos mit ihren Gitarren, Congas und Claves auf Hockern. Wir bleiben stehen. Schnell nehmen wir den Rhythmus Kubas auf und das leichte Wippen mit unseren Hüften geht in ein kurzes Tänzchen auf der Straße über.

Tanzend geht es auch am Abend weiter. Auf der Freitreppe, die von der Calle F.H.Echerrí zur Casa de la Música hinaufführt, haben es sich Einheimische und Touristen bequem gemacht, um bei karibischer Musik einen Cuba Libre zu genießen. Wir tanzen unter dem Sternenhimmel in die Nacht bis das Live-Programm mit afrikanischen Sklaventänzen in strahlend weißen Gewändern und Rumbatrommlern endet. Mit Diskoklängen feiert man hier noch in die Nacht, doch wir ziehen weiter. Zufällig fällt mein Blick in den Innenraum einer kleinen namenlosen Bar gegenüber vom Museo Romántico, in der eine Son-Band aufspielt. Wir mischen uns unter die trinkenden, scherzenden, tanzenden Gäste.

Fischerdorfromantik und Wellenrauschen am karibischen Strand

Die Musik begleitet uns noch weiter, als wir in unserer Casa Particular auf einem Dach in der Calle Gloria noch immer keinen Schlaf finden. Wer nächtliche Ruhe sucht, muss außerhalb schlafen. Und so wechseln ich wir unsere Unterkunft und geben uns am nächsten Tag dem Wellenrauschen des Meeres in dem kleinen Fischerdorf La Boca hin. Zwischen Trubel und völliger Ruhe liegen nur 4 km — doch die machen den Unterschied. Man kann einfach nur im Schaukelstuhl sitzen und den Fischern zusehen. La Boca bietet nicht viel, nur sich selbst und das Meer – aber das war genau das, was wir wollten. Von hier fahren wir Richtung Playa Ancon und genießen bereits die tolle Aussicht und die frische Meeresbrise auf der Küstenstraße. In den vielen kleinen menschenleeren Buchten reiht sich ein kleiner einsamer Strand an den nächsten, die zum Sonnen und Schnorcheln im türkisfarbenen Wasser einladen. Wir halten in einer dieser Buchten, in denen immer jemand mit Schnorchelausrüstung auf Touristen wartet, und ergründen die Unterwasserwelt am Korallenriff, das sich direkt am Strand befindet.

Dann setzen wir unsere Fahrt zum Playa Ancon fort, wo sich hinter einer Handvoll Hotelanlagen schöne Sandstrände befinden, die nicht überfüllt sind. Dennoch ist hier der Bändchentourismus zuhause und trübt ein wenig das Stranderlebnis.

Wandern im Nationalpark Topes de Collantes

Am Abend zucken die Blitze über den Bergen der Sierra del Escambray. Dort werden wir am nächsten Morgen eine Wanderung unternehmen – ist es schließlich das zweithöchste Gebirge des Landes, das auch nur eine halbe Stunde von Trinidad entfernt ist. Vom Sanatorium führen verschiedene Wanderwege in den ca. 800 m hoch gelegenen Nationalpark Topes de Collantes. Wir entscheiden uns für die dreistündige und 6 km lange Wanderung auf dem Sendero Caburni mit seinem Wasserfall, für dessen Benutzung wir 9 CUC an einem Kassenhäuschen zahlen müssen. Gern hätten wir noch eine weitere Wanderroute ausprobiert, aber es vergeht einem die Lust, wenn man für jeden Weg separat zahlen muss. Was easy klingt, treibt den uns entgegenkommenden Touristen viele Schweißperlen auf die Stirn. Hinter der Bungalowsiedlung geht es nahezu immer nur bergab, doch der Rückweg hat es dadurch in sich.

Zwischen Startpunkt und Ziel liegt eine üppige Natur, durch die der Weg führt und ein 62 m hoher Wasserfall mit der Möglichkeit, sich dort zu erfrischen. Natürlich springen auch wir in das eiskalte Wasser und genießen die Ruhe und Abgeschiedenheit mit der musikalischen Begleitung verschiedener Vögel.

Valle de los Ingenios – Im Tal der Zuckermühlen

Zwischen diesem Gebirgszug und dem Karibikstrand liegt mit Trinidad nicht nur die perfekte Kulisse einer prosperierenden Stadt der Zuckerbarone aus dem 19. Jahrhundert. Nur 16 km östlich im Valle San Luís, auch Valle de los Ingenios genannt, findet man weitere Zeugen jener Zeit. Ruinen von Zuckermühlen ragen aus den Feldern heraus. Insgesamt 65 einzelne historische Stätten wie Zuckermühlen, Kolonialhäuser und Sklavenunterkünfte zählen seit 1988 zur Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Wir biegen von der Hauptstrasse rechts ein, um uns einen Eindruck von dem Leben und der Arbeit auf einer Zuckerfarm zu verschaffen und kommen vor einem überwucherten Gelände zum Halten. Ingenio San Isidro de los Destiladeros heißt dieser eingezäunte Platz, den uns ein spanischsprachiger Wächter schnell öffnet. Wir sind die einzigen Besucher, die über das Gelände einer der größten archäologischen Stätten im Zuckerrohrtal streifen und sich die Anlage von dem alten Mann erklären lassen. Die Natur erobert langsam wieder dieses Stück Land und lässt Gras über die unrühmliche Geschichte der Sklavenzeit wachsen. Aktuell werden die ehemaligen Sklavenunterkünfte ausgegraben und der einzigartige dreistöckige Turm wird rekonstruiert. Besonders gut ist auch noch die große Zisterne erhalten, in der das gesammelte Regenwasser des Hauses gespeichert wurde.

Wir fahren weiter durch das Zuckertal, dessen Zentrum der 1816 erbaute Torre de Iznaga von Manaca Iznaga bildet. Von hier wurden die Sklaven auf den Zuckerrohrfeldern beaufsichtigt. Der 45 m hohe Glockenturm erstreckt sich über sieben Stockwerke. Was den Sklaven Angst und Schrecken einflößen sollte, entstammte einer Wette. Ein Sohn der Manacas Familie ließ den tiefsten Brunnen erbauen. Dann setzte der andere Sohn auf der Suche nach Superlativen den höchsten Turm daneben. Diesen zu erklimmen fordert schon ein wenig Kondition und schwindelfrei sollte man auch sein. Doch am Ende schweift unser Blick über das Zuckertal. In der traumhaften Kulisse vergisst man schnell die Gräueltaten der Vergangenheit. Über den Bergen zucken Blitze – es dauert nicht lang und ein Schauer prasselt auf uns nieder. Sonnenschein und Unwetter liegen nah beieinander.

Wir reisten im Januar 2014. Weitere Beiträge zu Kuba.

3 Kommentare

  1. Ach ja, Kuba … seufz … wenn ich das lese und die Bilder sehe, könnte ich mich sofort in´s Flugzeug setzen. Ist lange her, dass ich da war. Ob sich seitdem viel verändert hat? Ob es mir noch gefallen würde? Wir werden sehen. Irgendwann … 😉

    LG, Wolfgang

  2. Irgendwie strahlt das alles so viel Leben aus, obwohl man kaum jemanden auf den Fotos sieht, vor allem die Hinterhöfe, Farben und die Auslagen der Waren

  3. *Hach, Trinidad und Kuba allgemein ist einfach so schön… Toller Artikel und tolle Fotos! Bei uns ist die Reise leider auch schon wieder drei Jahre her. Aber wir hatten eine Casa Particular direkt in Trinidad, in der es sehr ruhig war. Auf der Straße draußen war Trubel, aber unser Zimmer war auf der anderen Seite eines Innenhofs und dort hat man von außen gar nichts mehr mitbekommen. Leider weiß ich aber nicht mehr, wie das hieß…

    Liebe Grüße, Wibke von http://www.webundwelt.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *