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Oh wie weit ist Panama

In den Wanten heult der Wind sein mächtiges Lied, es pfeift und zischt mit 6 Windstärken, während wir uns hart am Wind gen Süden kämpfen. Rums! Eine weitere Welle erschüttert die INTI, Gischt fegt über das Deck, reissende Bäche suchen sich ihren Weg, blubbern durch die Abflüsse. Wir schaukeln wie irre, hin und her, rauf und runter. Immer wieder rammt sich der Bug in die beachtlichen Wellenberge und pflügt uns den Weg frei. Wir leben im Würfelbecher, das Kochen wird zur Akrobatik und zum Schlafen muss man es irgendwie schaffen, sich gleichzeitig zu verkeilen und zu entspannen. Innen wird es immer feuchter und und stickiger, denn mal eben ein Fenster zum Lüften aufmachen kann man natürlich nicht. Eine Welle findet sogar ihren Weg durch unsere Belüftungshutzen und lässt kurzzeitig das Wasser aus der Decke spritzen. Dies ist definitiv einer unserer härtesten Törns, wir sind müde, angestrengt, doch Angst haben wir nicht, denn die INTI ist ein stabiles und sicheres Schiff. Neben uns sehen wir die MUOZA, eine ebenfalls 35 Fuss lange, schöne alte Hallberg-Rassy Rasmus, wie einen Korken die bis zu vier Meter hohen Wellen hoch und runter schaukeln. Wir funken in regelmässigen Abständen, erörtern Strategien und Wetterprognosen, halten uns gegenseitig bei Laune und schaffen es tatsächlich, in dieser Waschküche die gesamte Zeit über zusammen zu bleiben. Es heisst ausharren, durchhalten, sich auf das kommende Ziel freuen. Wir passieren die gefürchteten Bänke der Westkaribik, deren Gefährlichkeit die etlichen in den Seekarten verzeichneten Wracks bezeugen, in respektvollem Abstand. Unser Plan geht auf, Wind und Welle gehen wie vorhergesagt noch etwas weiter nach oben, doch wir können etwas abfallen und haben sie jetzt in einem deutlich günstigeren Winkel. Unter minimal ausgerollter Genua schiessen wir unserem Ziel entgegen und erreichen nach genau vier Tagen die Insel Providencia. Unsere Strategie ist erstaunlicherweise genau aufgegangen. Selten haben sich die Wetterprognosen so bestätigt. Nachdem wir über drei Wochen auf dem öden Cayman Brac ausgeharrt, täglich das Wetter geladen und Chris Parkers Funkrunde gelauscht haben, tat sich endlich dieses viertägige Wetterfenster auf. Wind und Welle gingen etwas runter und die Squallwahrscheinlichkeit gen null. Squalls sind die in den Tropen immer wieder auftretenden Ministürme, oft garniert mit heftigem Regen und Gewittern. Wir haben schon so einige von denen durchfahren, vor allem auf der Fahrt von Kuba bis zu den Caymans wurden wir ordentlich gebeutelt. Eigentlich kein Problem, da man sie immer recht früh an ihren Wolkentürmen erkennt und die Segel reffen kann, aber wenn die Bedingungen eh schon hart sind… Wie vorhergesagt erwischen uns am Morgen des letzten Tages ein paar leichte Squalls. Doch sie lassen lediglich den Wind noch etwas hochgehen und so können wir unter minimaler Besegelung die Ansteuertonne von Providencia problemlos anlaufen. Mittlerweile sind wir so eingeschaukelt, dass wir uns währenddessen sogar noch ein Essen kochen, um nicht völlig ausgehungert die ganze Anker- und Einklarierungszeremonie durchstehen zu müssen. Gut betonnt geht es durch die Riffe in die wunderschöne und gut geschützte Bucht von Providencia. An Land empfängt uns der freundliche Sr. Bernardo Bush, der zwar für eine satte Gebühr aber dafür angenehm einfach die mal wieder absurden Papierberge für uns erledigt. Die Insel ist bunt und voller Leben, denn es findet gerade das wichtigste Volksfest, die Fiesta Folkloric, des Jahres statt. Zusammen mit der Muozacrew gönnen wir uns ein paar Bier und futtern uns durch die Strassenstände, lauschen der Musik und sind einfach nur glücklich, an diesem schönen Ort angekommen zu sein. Am Abend fallen wir in unsere Kojen, die letzten Tage haben wir uns oft gefragt ob diese Strapazen die Reise eigentlich wert sind. Der erste Eindruck von Providencia sagt uns mal wieder, sie sind es auf jeden Fall! Glücklich fallen wir in einen tiefen, vierzehnstündigen Schlaf.

Doch noch ein paar Worte zu Cayman Brac, immerhin waren wir ziemlich lange auf dieser merkwürdigen Insel.

Eigentlich wollten wir ja direkt nach Panama. Unser Batterienproblem, aber auch das Wetter haben uns zu einem Zwischenstopp vor Cayman Brac gezwungen. Über drei Wochen hingen wir an einer immerhin kostenlosen Mooring (Boje zum Festmachen), haben eine neue Batterie eingebaut, und warten auf ein Wetterfenster nach Panama. Doch das will einfach nicht kommen. Squalls sausen über uns hinweg, Gewitter flackern um uns herum und tropische Regengüsse prasseln auf uns nieder. Mal liegen wir ruhig in einer schwülfeuchten Flaute, dann rollen wir wieder wie verrückt, wenn der Wind die Wellen aufbaut. Immer wieder soll das Wetter besser werden und wird es dann doch nicht.

Wohingegen sich Kuba stets lebendig, bunt, offen und quirlig zeigte so ist dies hier genau das Gegenteil. Landen wir mit dem Dingi an, müssen wir erst einmal am kitschig bunten Friedhof vorbei. Weisse Gräber geschmückt mit neonbunten Plastik- und Stoffblumen. In jedem zweiten Grab liegen Ahnen der scheinbar grössten Familie der Insel, der Scotts. Und der Friedhof ist tatsächlich der lebendigste Ort der Insel, bunt dekoriert und zuckersüss. Läuft man weiter Richtung Siedlung kommt man zunächst an einem riesigen Kiesberg vorbei, dahinter die Firma der Familie Scott. Auf der anderen Seite eine Post, welche im Stil der langweiligen US-amerikanischen Vorstadtarchitektur ähnelt. Menschen gibt es im Vergleich zu Kuba so gut wie nicht auf den Strassen. Im weiteren Verlauf passiert man die „Barracudas Bar“, eine Lokalität, in welcher durch die Klimaanlage Friedhofstemperaturen erzeugt werden, bestückt mit zwei Fernsehern, auf denen jeweils ein Sport- und ein Musikkanal läuft, alles in einem schummerigen Licht. Oh-ein Mensch betritt die Bar!!!! Tatsächlich! Eine Frau stemmt sich an die Theke, die Augen leicht verdreht und offensichtlich betrunken, beginnt sie über das Musikprogramm zu schimpfen, wir können sie kaum verstehen. „All Drug-Consumers…..Alles Drogenkonsumenten…“ keift sie lallend vor sich hin. Alte Jimmy Hendrix Songs schallen durch die Kneipe, untermalt von dem Sound des anderen TV, brüllender Beifall für irgendeine Baseballmannschaft. Kurz sprechen wir mit dem Besitzer der Bar. Er ist von New York hierher gekommen, weil es ihm hier so richtig gut gefällt. Hmmmm. Ein weiteres, etwas angealtertes Paar betritt die Lokalität. Botox, Lifting, hier wurde ordentlich nachbearbeitet. Der Besitzer verrät uns, dass diese Menschen hier Stammgäste sind, sie kommen aus den USA gern mal auf einen Drink mit ihrem Privatjet rüber. Wir laufen ein paar Meter weiter und erreichen den zentralen Platz. „Market Place“ heisst er, übertriebenermaßen, denn hier gibt es ausser einem Supermarkt, einer Bank, einem Schild „Cayman Brac Clinic“ und unglaublich vielen leeren Parkplätzen einfach garnichts. Und auch hier huschen nur zombiehaft Menschen vorüber. Springen aus ihren überdimensionierten, sicher winterhaft temperierten Autos direkt in den Supermarkt. Auch wir betreten den Supermarkt und müssen feststellen, dass sich das Leben hier scheinbar in geschlossenen Räumen mit verspiegelten Fensterscheiben abspielt. Auf einmal sind wir in einer Seifenoper oder David Lynch-Film gelandet, wir werden von den philippinischen Angestellten des Supermarktes dreimal begrüsst, hinter jedem Regal springt ein weiterer Mitarbeiter hervor, der uns freundlich willkommen heisst. Freies Internet gibt es hier auch. So sitzen wir im Bistrobereich herum und beobachten die Menschen, die deutliche Vitaminmangelerscheinungen haben, wie sie zur Mittagszeit Pommes mit Hähnchen und Hähnchen mit Pommes in der grossen Plastikbox zum Mitnehmen bestellen. Im Supermarkt selbst gibt es nur eingeflogenes Obst und Gemüse aus den USA. Alles aus dem Kühlschrank. Die Tomaten sehen im Neonlicht rosa aus, ein Blumenkohl kostet etwa sechs Euro. Und so ist das hier. Die Preise sind enorm. Wenn man genau schaut, kann man auch für weniger Geld einkaufen, aber im Grossen und Ganzen liegen die Preise hier auf einem hohen Niveau. Als wir im Schnapsladen nachfragen, was Zigaretten kosten, fallen wir fast um, ein Päckchen würde neun Euro kosten. Wir fragen, ob es auch günstigere Sorten gibt und die freundliche Dame zeigt uns halbe Päckchen. Die kosteten auch nur die Hälfte. Wir schauen uns an. Cayman Brac. Was für ein Nest. Eine kleine Entschädigung bietet das kristallklare Wasser, wo wir, wenn es nicht regnet oder stürmt so einige kleine Schnorchelrunden drehen. Und wir staunen nicht schlecht, ist doch die Mooring, an welcher unsere INTI hängt, direkt am Bug eines versenkten russischen Kriegsschiffes festgemacht. Wir bestaunen die Kanonentürme und wundern uns über die kleinen Bläschen, die aus dem Bauch des Schiffes an die Oberfläche gluckern.

Seltsam auch: Stromausfall im Supermarkt. Einkaufen trotzdem erlaubt. Die Mitarbeiter laufen mit Taschenlampen herum, nicht, um uns beim eventuellen Diebstahl zu erwischen, sondern um uns die Regale zu beleuchten. Sie geben uns sogar ihre Taschenlampen, damit wir komfortabler einkaufen können. Freundlichkeit ist hier Gesetz. Trifft man zufällig auf menschliche Wesen, so sind diese wirklich unglaublich nett. Mehrmals sind wir getrampt, schon das erste Auto hielt an, oder auf der Suche nach einem Laden für Batterien strandeten wir in einer Autovermietung und wurden prompt von der freundlichen Mitarbeiterin, die gerade Mittagspause machen wollte, in ihrem schicken roten Sportwagen mitgenommen. Das Radio präsentiert Songs über Nächstenliebe und der Liebe zu Gott. Eine grosse Baptistenkirche steht direkt hinter dem Marktplatz. Doch wieweit ist es hier wirklich her mit der überall gepredigten Nächstenliebe? Als eines Morgens ganz offensichtlich ein Flüchtlingsboot an uns vorbei segelt, es ist eher ein Floss mit Segeln, als Boot, wird auf den Funkspruch unserer Freunde von der MUOZA seitens der Küstenwache garnicht reagiert und die vielen Tauchboote antworten knapp, ja, das wären eben Kubaner, so ist das nun mal. Und nun segelt diese Nussschale weiter dahin. Im Nachhinein erfuhren wir jedoch, dass dieses Boot dann in Grand Cayman, der Hauptinsel, gerettet wurde, es drohte auseinander zu fallen und die Flüchtlinge wollten eigentlich weiter bis Honduras. Bei den vorherrschenden Wetterbedingungen wäre dies der garantierte Tod gewesen.

Gemeinsam mit unseren Freunden von der MUOZA machen wir einen Sonntagsspaziergang über die menschenleere Insel. Es gibt einen öffentlichen Park, welcher vom Rotary Club finanziert wurde. Er wird scheinbar hauptsächlich von Autokids dafür genutzt, um einmal querdurch zu brettern, mit angezogener Handbremse um die Kurve zu schliddern, ansonsten wirkt er trist und verwahrlost. Weiter geht es an dem kleinen Inselflughafen vorbei wieder Richtung Wasser. Wir sehen ein villenartiges Haus, welches mit vielen Luftballonen geschmückt ist. Im riesigen Garten hängt ein überdimensionales Schild: Happy Birthday, Richard. Drei Kinder scheinen auf der sauber gestutzten Rasenfläche zu spielen. Wir rufen ein freundliches: „Happy birthday, Richard!“ hinüber und Richard wirkt etwas verstört. Strassenschilder weisen auf erhöhten Leguanverkehr hin, doch auch die zeigen sich nicht.

Des nächtens unterhält uns vor allem der Herr von der Lotsenstation auf dem Seefunk. Immer wieder versucht er, die vorbeifahrenden Frachter näher an die Insel zu locken. Dazu sollen sie all ihre Lichter anschalten und zehnmal hupen. Alles zu Ehren irgendeines Scotts, der gerade gestorben und irgendwann mal zur See gefahren ist. Es ist immer das gleiche Spiel, die ahnungslosen Frachterkapitäne sind zunächst freundlich, manche gehen sogar darauf ein und schalten ihre komplette Beleuchtung an. Dann werden die Forderungen immer absurder und die Kapitäne immer genervter. „Fahren sie bitte auf eine halbe Meile an die Insel heran und hupen“ „So jetzt bitte nochmal auf- und abfahren und nochmal hupen“. Irgendwann wird es dann auch dem freundlichsten Frachterkapitän zu bunt und er verweigert jede weitere Kooperation. Sind das hier grosse Kinder, die einfach nur spielen wollen? Wir wissen es nicht.

Wir geben der Insel noch ein Chance und mieten ein Auto. Landschaftlich hat die Insel dann doch Einiges zu bieten, aber wo sind die Menschen, wo spielt sich das Leben ab? Doch auf einmal haben wir eine völlig unerwartete Begegnung. Wir bemerken ein Haus voller schräger Skulpturen aus dem laut „Led Zeppelin“ dröhnt. Wir sehen uns das Ganze näher an und stossen auf „Foots“, einen überzeugtem Hippie und Künstler, den es vor dreissig Jahren auf die Insel verschlagen hat. Er lädt uns sofort ein und zeigt uns all seine Schätze. Sein Haus liegt traumhaft schön direkt am Meer und ist ein einziges Kunstwerk. Doch was hat ihn auf diese Insel verschlagen? Ihm scheint es zu gefallen. Sichtlich amüsiert zeigt er uns Bilder von einer gewaltigen, ziemlich satanistischen, Skulptur, die er in einem Happening verbrannt hat und damit die Bevölkerung der Insel ziemlich auf die Palme gebracht hat.

Alles in allem sind wir nun froh, diesem skurrilen Eiland entkommen zu sein und geniessen unsere Zeit im lebendigen Providencia, einer kleinen kolumbianischen Insel, 500 Meilen vom Mutterland entfernt. Jetzt heisst es erstmal entspannen, geniessen und mal wieder auf ein günstiges Wetterfenster für die letzten 250 Meilen Richtung Panama warten.

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Helsinki und der zweite Blick – mein Ausflug nach Suomenlinna

Möwen kreischen mich an meinem zweiten Morgen in Helsinki aus dem Schlaf. Als ich den Vorhang zur Seite schiebe, erblicke ich ein völlig anderes Helsinki als noch am Tag zuvor. Die Häuserschlucht des Bulevardi wirkt unter den Sonnenstrahlen viel geschäftiger.

Es gibt Orte, in die ist man sofort verliebt. Und es gibt andere, die benötigen einen zweiten Blick oder einfach nur gutes Wetter. Was auch immer mich am ersten Tag etwas verhalten auf die finnische Hauptstadt schauen ließ, am zweiten Tag waren alle Zweifel verschwunden. Denn scheint die Sonne, erstrahlt auch das schlichte 600.000 Einwohner zählende Städtchen im neuen Glanz und blüht überall auf.

Jeder Sitzplatz in den Cafés an der Esplanade ist besetzt, wo am Vortag noch gähnende Leere herrschte. Auf den Wiesenflächen im Mittelstreifen, dem Esplanadi-Park, sitzen junge Leute und genießen den skandinavischen Sommertag mit Picknick, Freunden oder einem Buch. Auch wir wollen diesen herrlichen Tag unter freiem Himmel genießen und da bietet sich ein Ausflug zu einer der 300 Schären, die zu Helsinki gehören, an. Am Ende der Esplandade befindet sich der Marktplatz Kauppatori mit dem kleinen Hafen. Von hier steuern wir mit dem JT-Line Boot Suomenlinna an, eine Festung auf sechs miteinander verbundenen Inseln. Wo wir gestern noch etwas besorgt aufgrund der Größe mit unserer Silja Serenade morgens eingefahren sind, fahren wir heute wieder beschwingt raus. Kleine Landflecken lugen aus der blauen Wasseroberfläche heraus und geben Helsinki Richtung Meer einen schönen Rahmen. Vor uns liegt Suomenlinna!

Zunächst steuert unser Boot Lonna an, doch wir gehen erst in der Artillerie Bucht (Tykistölahdesta) von Iso Mustasaari von Bord. Die meisten Inseln sind durch imposantes Mauerwerk aus Felsen befestigt und teilweise über Brücken und Landengen miteinander verbunden. Manch einer sagt, es handelt sich hier um das Gibraltar des Nordens – unbezwingbar galt Suomenlinna einst und musste sich doch nach einer russischen Belagerung im Jahre 1808 ergeben. Der Bau der 250 Jahre alten Festung um die Mitte des 18. Jahrhunderts galt als letzter Versuch des Schwedischen Reiches, die an Russland verlorenen Gebiete zurückzuerobern.

Schnell merken wir, dass die Festungsinseln von Suomenlinna unter Touristen und Einheimischen sehr beliebt sind. Auf der Hauptstraße, die Iso Mustasaari mit Kustaanmiekka verbindet, spazieren Familien, Pärchen und Gruppen durch die Kopfsteinpflasterstraßen. Die Gemäuer wurden von drei Epochen auf der Insel geprägt – erst von den Schweden, dann von den Russen und schließlich von den Finnen. Wir schlagen den Weg gen Osten ein und kommen an der Bücherei vorbei. Nicht nur hier dominiert roter Backstein die Straßen. Auf einem Hügel thront die ehemalige orthodoxe Garnisonskirche von Suomenlinna über das satte Grün der Insel, das die gelb-weißen Margeritenköpfe zieren, die den finnischen Mädchen an diesem Wochenende als Arbeitsmaterial für ihre Mittsommerkränze im Haar dienten. Manch einen vertrockneten Kranz sehe ich noch verblasst am Straßenrand liegen, während die wenigen Häuser auf den Inseln vom zarten Lila des Flieders verschönert werden.

Wo der Rundgang vieler Touristen endet, schauen wir näher hin. Hinter dem Fährhafen und Lebensmittelladen führt eine Holzbrücke zur nächsten Insel hinüber, auf die sich nur noch wenige Leute verirren. Pikku Mustasaari beheimatet die Militärakademie, und so weisen viele Schilder auf Videoüberwachung und ein Durchgangsverbot hin. Wir passieren auf kürzestem Weg die Insel und erreichen über eine weitere Brücke Länsi-Mustasaari. Ca. 900 Einwohner zählen die Festungsinseln von Suomenlinna, einige von ihnen wohnen auf diesem Stück in den Wohnblöcken, die man hinter der Brücke als erstes erreicht. Sie wollen nicht ganz zu der Inselidylle passen, doch als ich die Gärtchen hinter den Bauten erblicke, setzt sich das Puzzle von Ruhe und Natur wieder zusammen.

Erneut begrüßt uns ein Schild – man solle die Privatsphäre der Bewohner respektieren, was so viel heißt wie „nehmt bitte den Rundweg und trampelt hier nicht mittendurch“. So umrunden wir die kleine Insel am Ufer, das von großen Steinen übersät ist. Auf einer Anhöhe im Gestrüpp befinden sich Kanonen und von hier bietet sich ebenso ein wunderbarer Blick. Wir laufen weiter westlich am Ufer entlang und setzen uns nieder. Wer Ruhe sucht wird sie auf den beiden Hauptinseln nicht so leicht finden. Ein Abstecher nach Länsi-Mustasaari ist demnach lohnenswert und diesen kleinen Fußmarsch wert.

Eine Leiter erleichtert den Einstieg in das noch eiskalte Wasser, in das wir unsere Füße tauchen. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt eine Finnin zum Sonnenbad auf einem Stein, ansonsten sind wir hier allein. Nur ein paar Weißwangengänse mit Nachwuchs sorgen immer wieder im aufgeregten Schnatterton für etwas Unruhe. Über uns kreisen die Möwen. Wir haben eine perfekte Inselidylle gefunden, die man hier mit einem Picknickkorb im Gepäck den ganzen Tag genießen kann.

Doch wir ziehen weiter. Wir kehren zurück auf die Insel Iso Mustasaari ins im russische Kaufmannsviertel, wo wir gegenüber der Kirche im Café Vanille einen Kaffee trinken und den Neuankömmlingen, die die Insel mit der Fähre erreichen, bei ihrem aufgeregten Gang durch den Ort zusehen. Kleine Holzhäuser zieren den Straßenzug, in dem sich das Café befindet. Ein liebevoll, verspielter Innenbereich, leckere Kuchen und Pies runden das Konzept des wahrgewordenen rosaroten Traums ab, den dieses auffällige Holzhaus mit Veranda versprüht. Nach der Stärkung im Vorgarten des Cafés reihen wir uns in den Touristenstrom ein.

Wir wollen die Fähre von der Königspforte (Kuninkaaportilta) nehmen. Wieder gehen wir über eine Brücke und erreichen nun den Hauptteil der Festungsinseln, Kustaanmiekka. Hinter den alten Mauern passieren wir den Großen Hof mit dem Grabmal von Ehrensvärd, der in den 1760er Jahren als Hauptplatz der Festung angelegt wurde, und bekommen eine Vorstellung von der einstigen Rolle der Insel, die zum Schutz Helsinkis diente.

Auf einem kleinen Hügel befindet sich eine kleine Ruheoase – das schöne Café Piper mit herrlichem Ausblick über die wellige Landschaft bis hinüber zu den Kanonen von Kustaanmiekka und und dem Meer. In einem Holzhaus bestellt man seine Speisen und kann sich dann an einem der Tische im Felsengarten kulinarisch verwöhnen und eine aktive Pause für alle Sinne einlegen. Hinter dem Garten des Cafés führt der Weg weiter an einem kleinen Sandstrand vorbei, an dem sich einige Gäste sonnen. Leider bleibt uns nicht mehr viel Zeit, so dass wir noch einmal in den Süden zur monumentalen Königspforte eilen, die als Wahrzeichen von Suomenlinna gilt und 1753/54 als Zeremonienpforte der Festung errichtet wurde. Das Portal befindet sich an der Stelle, an der das Schiff des Gründers der Festung, König Adolf Friedrich von Schweden, während der Inspektion der Bauarbeiten an der Festung 1752 ankerte.

In der wärmenden Mittsommersonne verschwindet die einstige Garnisonsstadt Suomenlinna und das Schärenreich hinter meinem Rücken. Die zarten Linien der Skyline Helsinkis werden mit Farben gefüllt – mit der Uspenski–Kathedrale, dem Riesenrad Finnair Skywheel, den Marktständen und dem Dom nimmt die Stadt wieder Gestalt an. Manchmal bedarf es einen Schritt zurück, einen zweiten Blick oder einfach ein bisschen Sonne, um sich einem Ort zu nähern. Die Stadt hat mich am Ende doch noch an ihren finnischen Meerbusen gedrückt und fest umschlungen.

Was man sonst noch wissen sollte?

Anfahrt: Die Insel Suomenlinna kann man ganzjährig einfach mit einer Fähre erreichen, für die auch die Helsinki Card und normals Fahrkarten der Helsinkier Verkehrsbetriebe (HSL) gelten. Eine Fahrt kostet 2,50 EUR und ist eine Stunde gültig. Wir nahmen jedoch den Wasserbus JT-Line für die Überfahrt, die 7 EUR kostet. Die JT-Line verkehrt von Mai bis September, macht drei Stopps und benötigt ca. 20 Minuten.

Rundgänge: Es werden auf den Inseln auch geführte Rundgänge zu historischen Orten auf den Inseln Susisaari und Kustaanmiekka angeboten, die am Suomenlinna- Zentrum beginnen und etwa eine Stunde dauern. Informationen unter www.suomenlinna.fi. Wer die Insel auf eigener Faust erkunden und dennoch alle wichtigen Sehenswürdigkeiten wie Forts und Wälle, Festungshof und Königspforte ansteuern möchte, der sollte der blauen Linie folgen. Auf der blau markierten Hauptroute gelangt man von der Nordseite bis zur Südspitze der Inseln.

Übernachten: In der Nähe der Kirche befindet sich das ganzjährig geöffnete Hostel Suomenlinna in einem alten Schulgebäude. Neben Schlafsälen mit 6 bis 10 Betten gibt es auch Zwei- und Dreibettzimmer.

Unser Besuch in Helsinki war Teil der Mittsommer-Minikreuzfahrt mit der Tallink Silja Line. Alle Ansichten sind meine eigenen. 

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Eine kulinarische Entdeckungsreise Mecklenburg-Vorpommern

„Es gibt viel zu entdecken – nicht nur in den Töpfen der Köche, sondern auch auf den Bauernhöfen und in vielen kulinarischen Werkstätten. Das beste am Norden sind eben doch die Menschen.“ resümiert die Autorin des Buchs „Eine kulinarische Entdeckungsreise Mecklenburg-Vorpommern“, Hanna Bahra. Damit hat sie gleich meine Aufmerksamkeit. Seit vielen Jahren zieht es mich an den Wochenenden in den Norden, wo ich immer wieder auf der Suche nach liebevollen Cafés, schönen Hofläden und urigen Restaurants war. Dann entdeckte ich kürzlich gleich zweimal diesen Band – einmal in meinem Stammrestaurant in Granzin, dem Havelkrug, und im Gourmethof Below. Jedes Mal schmökerte ich und ließ mich inspirieren. Denn „Eine kulinarische Entdeckungsreise Mecklenburg-Vorpommern“ bietet nicht nur einfache Restaurantkritiken mit Adressen, sondern gilt zugleich als kleiner Bildband durch das Bundesland. Auf zwei, drei oder vier Seiten widmet sich die Autorin gemeinsam mit der Fotografin Angela Liebich jeder Lokalität. Dabei wird auch häufig das Augenmerk auf die Macher, eben die Menschen gelegt. Nicht nur Restaurants mit landestypischer oder gehobener Küche stehen im Fokus. Zwischendurch wird Mecklenburg auch mit Geschichten über die Kräuterfee, Museen oder die Manufructur, die Sanddornprodukte herstellt, vorgestellt.

Auf einer Karte kann man sich zunächst einen Überblick über die Lage der vorgestellten Lokalitäten verschaffen. Der Leser lernt zudem eingangs, was die mecklenburgisch-vorpommerische Küche ausmacht. Schnell wird auch klar, dass man sich hier nicht in der kulinarischen Provinz aufhält, sondern bei einem Topplayer. Ostdeutschlandweit zählt die Region die meisten Edellokale, 143 Spitzenrestaurants gibt es. Sechs Gourmetrestaurants schmücken sich gar mit Michelin Sternen. Und dabei bleibt das Gehobene auch immer gleich regional – ob Fisch, ob Wild, ob Vieh oder auch Obst, Gemüse und Getreide.

Das Buch gliedert sich in Kapitel, die sich wiederum an sieben Regionen orientieren –
Schwerin und Westmecklenburg, Mecklenburgische Ostseeküste, Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, Stralsund – Rügen – Hiddensee, Insel Usedom, Ostvorpommern, Mecklenburgisches Seenparadies.

So steigt jedes Kapitel mit einer Einleitung zur jeweiligen Region ein, stellt dann die unterschiedlichen Restaurants, Höfe und Läden vor und schließt dann mit Rezepten aus den vorgestellten Lokalen ab. Somit kann man sich wieder zuhause an den Gerichten selbst ausprobieren. Ein Rezept- und Adressverzeichnis runden das Buch ab, das für alle, die bei ihrem Besuch in Mecklenburg nicht einfach nur essen, sondern auch genießen und die Seele des Landes entdecken wollen, eine wunderbare Inspirationsquelle sein sollte.

Hanna Bahra und Angela Liebich | Umschau Buchverlag | Auflage: 1. Auflage (9. Juli 2013) | ISBN 978-3865284600

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Barcelona ist mehr – Natururlaub statt Städtetrip

Der Satz „Ich fliege nach Barcelona.“ erzeugt häufig gleich einen sehnsüchtigen Seufzer gefolgt von Tausenden Tipps, die einen Städtetrip zur gelungenen Reise verhelfen sollen. Doch zig Male musste ich in erstaunte Gesichter schauen, als ich über meine Reise in die Provinz Barcelona sprach. Ich würde Natururlaub machen – keinen Städtetrip. Und so macht sich auch bei mir ein leicht seltsames Gefühl breit, als wir im Landeanflug auf Barcelona sind, aber nicht die City ansteuern, als wir vom Norden nach Süden der Provinz fahren, aber die Stadt nur umrunden und durch Tunnel unterfahren oder vom Strand nur die Skyline erhaschen.

Wandern wie einst Picasso im Cadí-Moixeró

Barcelona ist mehr – und genau dieses Mehr will ich erkunden. Dieses Mehr liegt zwischen türkisfarbenem Meer der Costa Barcelona und den sattgrünen Bergen der Vorpyrenäen und beginnt auf meiner Reise im Naturpark Cadí-Moixeró. Als ich diesen erreiche, hat sich bereits ein leichter Schleier über die bergige Landschaft gelegt, die nach oben felsig ausläuft. Der leichte Regen lässt das Grün noch frischer erscheinen, als es je ein Maler mit Ölfarben auf Leinwand hätte bringen können. Auch wenn das satte grün vor 100 Jahren die Landschaft weniger dominierte, so lag ihr doch schon damals auch ein magischer Zauber inne – der Natur mit Kreativität verbindet. Auf seinem Weg von Guardiola de Berguedà nach Bellver de Cerdanya verbrachte Pablo Picasso den Sommer 1906 in dem 1500m hoch gelegenen Gósol am Fuß der Sierra de Cadí. Dieser Aufenthalt sollte für den Maler stilprägend sein. Seine Farbpalette schrumpfte zudem auf die natürlichen Sand- und Ockertöne, die er in der Natur vorfand, zusammen. Er verliebte sich aber nicht nur in die Landschaft und das malerische Dorf, sondern vor allem in die Menschen. So stammen aus seiner Zeit in diesem beschaulichen Bergdorf viele Menschenstudien der Bauern. Vor allem die Hände standen hier im Fokus seiner Malerei und faszinieren ihn. Auch wenn Paos, wie sich Pablo in dieser Zeit selbst auf katalanisch nannte, Wohnhaus nur noch von außen im Augenschein genommen werden kann, findet man doch eine informative und zugleich didaktisch gut aufbereitete Sammlung im hiesigen Museum. Die 58,5 km lange Route, auf der Picasso damals unterwegs war, kann man heute in drei oder vier Etappen auch nachwandern.

Wem das noch nicht genug ist, der kann auch gleich die bekannte Route Camí dels Bons Homes – den Weg der „guten Männer“ – von dem Sanktuarium von Queralt in Berga nach Arieja mit der Burg Montségur auf französischer Seite der Pyrenäen wandern. Diesen ca. 189 km langen Weg, der als GR-107 ausgeschildert ist, benutzten im 13. und 14. Jahrhundert bereits die Katharer auf der Flucht vor der Unterdrückung durch die Truppen des französischen Königs. Es empfiehlt sich, diesen in acht bis zwölf Etappen zurückzulegen.

Kletterterrain Pedraforca und Vía ferrata von Vallcebre

Viele suchen dieses Gebiet im nördlichsten Zipfel der Provinz Barcelona nicht nur zum Wandern auf. Als sich am nächsten Tag von meinem Zimmerfenster in einer kleinen Holzhütte des Campingresorts Repòs del Pedraforca die Doppelspitze eines Bergs – der einer Heugabel oder einem umgedrehten W gleicht – vor meinen Augen auftut, verstehe ich die Faszination, die man mit dem Erklimmen solcher Gipfel verbindet. Doch nicht jeder Gipfel zählt zum Klettergebiet für jedermann. Ohne Erfahrung sollte man die „Steingabel“ – wie man den dominierenden Felsen Pedraforca nennt, nicht angehen. Ein Klettergebiet, das sich auch für Einsteiger lohnt, ist jedoch auch nur ein Steinwurf entfernt.

Um Vallcebre kann man sich an Klettersteigen der Vía ferrata probieren. Drei verschiedene Schwierigkeitsstufen bieten für jeden eine Möglichkeit, sich am Felsen auszuprobieren. Geht die Fortgeschrittenen-Variante Cal Curt nach außen geneigt tief in den Abgrund, so ist für jemanden mit Höhenangst auch die Mittelstufe, die Vía ferrata Roques de l’Empalomar, noch eine ziemliche Herausforderung. 160 Höhenmeter steigt man ca. 50 Minuten auf Metallsteigen an der Felswand entlang mal quer, mal hinab. Die einfache „Kindervariante“, die Ferrada de la Canalassa, bietet nicht ganz so viel Nervenkitzel, da man nicht in den tiefen Abgrund schaut, sondern auf einer Länge von 150 m nur 40 Höhenmeter über drei vertikale Teilstücke zu überwinden sind. Zuvor ist immer erst ein ca. 20 minütiger Wanderweg Cami del Camps del Tabac zu passieren, der durch einen Fluss und märchenhaften Wald führt.

Unter Tage in Cercs

Ich reiße mich vom Ausblick über die beeindruckende vorpyrenäische Landschaft des Naturparks Cadí-Moixeró los und tauche nur zehn Minuten später in die Bergwelt ein. Das Gebiet um den Pedraforca war einst ein wichtiges Bergbaugebiet, das Kohle ausspuckte. Aufgrund der Rentabilität und der billigeren Konkurrenz aus Ukraine oder Südafrika wurden Bergwerke wie das in Cercs 1991 geschlossen. Mit einer kleinen Bahn fahren wir 450 m tief in den einstigen Stollen dieses Bergwerks, um die harte Arbeit unter Tage nachzuempfinden. In kleinen Nischen wird die harte Arbeit unter Tage dargestellt. Ein kleiner Käfig hängt im Stollen – wir schauen uns fragend an. Ist er sicherlich nicht zur Zierde hier. Fällt der Vogel von der Stange, wussten die Bergarbeiter, dass sie ganz schnell die Grube verlassen mussten – aufgrund der austretenden Gase herrschte dann Lebensgefahr. Rannten die Ratten raus, sollten sie diesen Folgen. Meist bebte dann die Erde.
Auch wenn sich die Arbeitsbedingungen über die Jahrzehnte immer mehr verbesserten, zahlt man doch bis zum Ende dieser Arbeit seinen Preis – und der heißt Gesundheit. Dennoch ist die Arbeit im Stollen im Leben der hiesigen Bevölkerung so fest verwurzelt, so dass viele Arbeiter mit der Schließung haderten. Nicht nur im Stollen selbst wird der Besucher über die Funktionsweise eines Bergwerks aufgeklärt, sondern auch in zwei weiteren Gebäuden, die mit Ausstellungen und Filmen einen allumfassenden Einblick in das Leben der Bergarbeiter damals und heute geben.

Wandern in Naturpark Montseny

Wir lassen die Berge hinter uns und fahren durch die gewellten Landschaften der Provinz Barcelona, die die Berge mit der Küste verbinden. Im Naturpark Montseny entdecke ich auf einer Wanderung erneut wunderschöne Bergdörfchen, deren Ruhe sich direkt auf mich überträgt. Lavendel und Thymian zieren die Ränder von Montseny, wo eine Familie Parfum herstellt. Toni, der mich auf einer kleinen Wanderung begleitet, deutet auf ein kleines Lokal. Diese Kneipe hat keine Karte, hier gibt es immer nur ein Gericht, das ist aber umso leckerer. Das was die Familie isst, wird eben auch dem Gast serviert, so funktioniert das Gefühl von Gastfreundschaft und Zugehörigkeit. Immer wieder wird uns ein liebevolles Bon Dia entgegnet – und diesen guten Tag habe ich hier tatsächlich. Bis auf 1.700 m winden sich hier die höchsten Bergspitzen wie die des Turó de l’Home, den wir jedoch nicht erklimmen und stets vor uns sehen. Stattdessen wandern wir durch die Wälder des UNESCO Biosphären Reservats, und richten den Blick immer wieder auf die Buchen, Eichen, Kastanien, die die Natur zieren, und lauschen den Vögeln, immer auf der Hut, einem Wildschwein zu begegnen. Toni zeichnet eine Linie in die Luft – dort, wo der Riu Tordera sich dem Bergrücken herabwindet, sind die Grüntöne besonders satt. Unser Auge zeichnet die Linie nach. Irgendwo dahinten wird sich das Grün im Blau des Mittelmeeres verlieren – irgendwo dahinter werden wir heute noch fahren. Dieses „dahinter“ heisst Malgrat del Mar.

Es sind die kontrastreichen Berglandschaften, die ich bereits vermisse, als wir den Strand von Malgrat del Mar erreichen. 100 km Küstenlinie bilden die östliche Grenze der Provinz, die gern im Fokus der Touristen steht, die Sonne und Meer suchen. Doch Barcelona ist mehr als Meer, mehr als Stadt – hinter dem Horizont geht es weiter und wie so oft im Leben tut auch in diesem kontrastreichen Teil Kataloniens eine Horizonterweiterung gut.

Was man noch wissen sollte?

  • Gósol erreicht man von Barcelona in ca. zwei Stunden über die Carretera Comarcal C-31, Carretera Local B-10, Carretera Comarcal C-58, Carretera Comarcal C-16, Carretera Local B-400, Carretera Local LV-4008. Das Bergdorf liegt im schönen Wandergebiet mit idyllischen Routen wie den Camí de Picasso oder den Camí dels Bons Homes (GR 107 und GR 7). Der Besuch des Picasso Museums im Ort lohnt sich.
  • Cercs erreicht man von Barcelona über Eix del Llobregat (C-16) oder über die C-17 und C-26 in ca. 1,5 Stunden. Informationen findet man über die Tourismusseite von El Berguedà
  • Montseny befindet sich 45 Minuten von Barcelona entfernt. Man erreicht das Dorf von der AP-7 kommend über Sant Esteve de Palautordera, wo sich auch die Tourismus-Information Montseny befindet. Drei rot-weiß markierte Fernwanderwege durchqueren das Gebiet: GR 5 von Camping nach Alguafreda, GR 83 von Rieds nach Abúcies und GR 2 von Eva nach Aiguafreda.
  • Einen schönen Überblick über Ausflugsziele und Outdooraktivitäten in der Region erhält man bei dem Tourismusamt der Provinz Barcelona.
  • Wer noch einen City Trip Barcelona verbindet, der kann sich bei unserem Reiseführertest Barcelona inspirieren.

Ich wurde vom Barcelona Province Tourism Board und dem Spanischen Fremdenverkehrsamt eingeladen. Alle Ansichten sind meine eigenen. 

Rheinsberg, Deutschland, puriy

Rheinsberg – zwischen Seen, Schloss und schönen Künsten

Wieder klappern die Hufe über das alte Kopfsteinpflaster der Stadt. Es ist nicht die erste Kutsche, die uns in der weitläufigen, typischen brandenburgischen Allee überholt. Wer nach Rheinsberg kommt, verspürt ein bisschen den Charme alter Zeiten. Immer wieder habe ich Bilder meiner Schulzeit von Fontane vor Augen. Und da dürfen Kutschen und niedrige Häuserfassaden natürlich nicht fehlen. Was auch nicht fehlen darf, ist das Schloss, für das das beschauliche Städtchen mit perfekter Wald- und Seenlage weit über das Ruppiner Land hinaus bekannt ist. Viele Jahre fuhr ich regelmäßig durch Rheinsberg auf meinem Weg in den Norden. Allenfalls für ein Eis oder einen Stopp in der Bäckerei reichte meist die Zeit. Manch eine Kanutour begann hier auch vor Jahren. Doch eines war immer gleich – ein verhülltes Schloss. Mal war es die rechte, mal die linke Seite, nie bekam ich die volle Schönheit zu sehen. Der Ort, an dem Friedrich der Große seine glücklichen Kronprinzenjahre verbrachte, entfaltete sich nie in seiner vollen Pracht.

Was auf dem ersten Blick wie eine normale brandenburgische Architektur aussieht, wurde von Knobelsdorff nach einem Brand 1740 entworfen und folgt einem strengen Muster. Ein einheitliches, rechtwinkliges Straßenkarree ziert die barocke Stadtanlage mit der Postmeilensäule im Herzen. Doch nicht nur die Stadtanlage entwarf Knobelsdorff neu, sondern auch ein dreiflügeliges Schloss am Grienericksee, wo einst eine Wasserburg stand. Mit der Thronbesteigung von Friedrich der Große in Berlin schenkte er das Schloss Rheinsberg seinem Bruder Prinz Heinrich, der im Schlosspark direkt gegenüber dem Schloss in einer Grabpyramide beigesetzt wurde. Durch die gepflegte Parkanlage direkt am See zwischen Laubengängen, Gartenpavillon und Feldsteingrotte zu spazieren, lässt sich kaum ein Besucher entgehen.

Nach einer Periode, in der das Schloss in Vergessenheit geriet, hob Kurt Tucholsky mit seiner Erzählung „Rheinsberg, ein Bilderbuch für Verliebte“ die kleine nordbrandenburgische Stadt aus der Vergessenheit und sogar auf die Bühne der Weltliteratur. Im Schloss würdigt man den großen Schriftsteller mit dem Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum. Neben einer Dauerausstellung zu seinem Leben und seinen Werken lesen hier auch regelmäßig andere Schriftsteller.

Nicht nur Literatur spielt in Rheinsberg eine Rolle, sondern auch die Musik. Neben dem Wassergraben liegt das 1774 erbaute Schlosstheater, in der die Musikakademie Rheinsberg ihren Sitz hat. Und auch die Kammeroper Rheinsberg ist hier mit ihren Opernaufführungen jeden Sommer eine feste Instanz.

Vom Schloss laufen wir weiter – immer der engen Uferpromenade entlang. Auf der Terrasse der Gaststätte „Zum Fischerhof“ trinken wir einen Kaffee und schauen dabei auf den See hinaus. In der kühlen Frühlingsluft kreisen ein paar Vögel. Ansonsten ruht der See, auf dem sich im Sommer Boote tummeln.

Als wir genug Seeluft geschnuppert haben, laufen wir zurück ins Stadtzentrum – hier dominiert die St. Laurentius-Kirche das Stadtbild. Sie wird eingerahmt von gepflegten, zweigeschossigen Bürgerhäusern im märkischen und klassizistischen Stil. Durch die Kopfsteinpflasterstraßen zieht der Duft von Flieder und blühenden Kastanienbäumen.

Diesen tauscht man mit der frischen Seeluft ein, verlässt man die Stadt Richtung Zechliner Hütte. Nördlich vom Stadtzentrum befindet sich auf einem ehemaligen FDGB-Feriengelände das Hafendorf Rheinsberg. Ein 22 m hoher Leuchtturm prangt aus der Hafenanlage heraus und gilt als einziger im Binnenrevier Mecklenburger Seenplatte/Brandenburger Seen! Im Hafenbecken des Rheinsbergersees liegen vier verschiedene künstliche Inseln, auf denen sich im skandinavischen rot-weißen Baustil Ferienhäuser mit eigenem Bootsanleger befinden.

Wer Wasser liebt, wird Rheinsberg lieben. Ob Friedrich der Große, Theodor Fontane oder Kurt Tucholsky – große Namen hat es einst schon in die kleine Stadt im Norden der Mark Brandenburg gezogen. Was sie fanden, ist ein kleines Ruheparadies.

Was man sonst noch wissen sollte?
Anreise
mit Auto: Rheinsberg erreicht man mit dem PKW von Berlin kommend über die B 96 bis oder über die A 24, Abfahrt Neuruppin-Süd, weiter über Neuruppin Richtung Rheinsberg/ Flecken Zechlin. Fahrtzeit beträgt ca. 1,5 Stunden.

mit Bahn: Vom 3. April bis zum 1. November 2015 ist die Ausflugslinie RB54 mit ihrem Saisonbetrieb zwischen den Stationen Löwenberg (Mark) und Rheinsberg (Mark) unterwegs. Morgens und abends bestehen darüber hinaus umsteigefreie Fahrmöglichkeiten ab Berlin Gesundbrunnen und Oranienburg.

Mit dem Rad
Rheinsberg liegt landschaftlich so schön, dass sich eine Erkundung mit Rad auf dem Seen-Kultur-Radweg anbietet – von Neuruppin nach Rheinsberg (ab Neuruppin Bhf. Rheinsberger Tor ca. 28 km) und von Fürstenberg/Havel nach Rheinsberg (ab Fürstenberg/Havel Bhf. ca. 25 km).

 

Genezareth, Israel, puriy

Tiefer geht’s nicht – Vom See Genezareth zum Toten Meer

Blau-weiße Sonnenschirme zieren den rauen Kieselstrand, der in das strahlend blaue Wasser des Sees Genezareth abfällt. Vögel kreisen über uns. Eine Brücke führt hinaus auf das Wasser. Hinter mir frisst sich eine kleine Stadt in die Tiefe. Auf 200 m liegt Tiberias. Der See vor mir liegt noch tiefer und rangiert damit gleich hinter dem Toten Meer. Er gilt als tiefster Süßwassersee der Erde. Sein Wasser brennt nicht auf der Haut, sondern dient als wichtige Quelle Israels, aus der ca. ein Viertel des gesamten Trinkwassers stammt.

Der See ist nicht nur eine lebenswichtige Quelle, er trägt auch viele Boote täglich hinaus, deren Passagiere den Zeiten Jesu Christi aufspüren wollen. Auch wir sind morgens auf den Spuren Jesu unterwegs, der hier in Galiläa einen Großteil seines Lebens verbrachte.

Ein Boot mit einer gehissten amerikanischen Flagge kehrt an die Mole zurück. Die Touristen von Übersee tanzen ekstatisch zu Gospel auf dem Deck. Sie scheinen den Spirit gespürt zu haben, der sich auf diesem heiligen Gewässer befindet, über das einst schon Jesu angeblich lief. Auch wir besteigen ein Boot, das dem 2000 Jahre alten antiken Jesus-Boot nachempfunden ist, das hier 1986 unter Wasser gefunden wurde und nun im Yigal-Alion-Museum besichtigt werden kann. Eine deutsche Flagge befindet sich nicht an Bord. Und auch die angeschlagenen Klänge sind um einiges melancholischer, israelisch. Zum Abschlusssong von Schindlers Liste – Yerushalayim shel zahav –  fahren wir hinaus und schauen immer wieder auf die gegenüberliegende Seite, die zum Greifen nah ist. Im Morgendunst bleiben die Berge jedoch nur leichte Schatten, als wollen sie etwas verbergen. Erst unter der stärker werdenden Sonne lüftet sich die weiße Schicht und gibt eine karge beige-braune Berglandschaft frei, die sich gen Himmel schiebt. Ich versuche diesen Bildausschnitt mit all den medialen Fetzen zusammenzubringen, die mich bisher nur in den Nachrichten und im Studium begleiteten. Fern waren sie immer, die Golanhöhen, nun sind sie ziemlich nah, so nah, dass man vom Berg in das Wasser spucken kann.

Am Nordrand liegt der alte Hafen von Magdala (Migdal), der Heimatort der Maria Magdalena. Hinter einem kleinen Einkaufszentrum versteckt finden hier aktuell Ausgrabungen statt und brachten bereits die Reste einer Synagoge aus dem ersten Jahrhundert mit Mosaikfußboden, umlaufenden Steinbänken und freskengeschmückten Wänden zutage, die wahrscheinlich im jüdischen Aufstand gegen die Römer zerstört wurde.

Noch ein Stück weiter nördlich vom See Genezareth lassen sich regelmäßig Zugvögel nieder. In der sonst so kargen Landschaft Israels ist das Hula Nature Reserve eine grüne Oase. Zehntausende Vögel wie Kraniche, Störche, Pelikane, Kormorane und Reiher halten sich zeitweise auf ihrem Weg zwischen Europa und Afrika oder dauerhaft aufgrund des enormen Futterreichtums im Reservat auf. Mit Rad, Buggy oder zu Fuß kann man den Tier- und Pflanzenreichtum entdecken. Als wir in unseren Kibbutz Ginosar zurückkehren, herrscht bereits leichte Aufregung und helle Vorfreude, die wie jeden Freitagabend den Shabbath einläutet. Festliche Kleidung wird getragen. In der Gartenanlage unseres Kibbutz-Hotels werden Plastikstühle zurechtgerückt. Grillen zirpen im Schatten der Palmen während auf dem Rasen gepicknickt wird. Am siebten Tage sollst Du ruhen, wird hier nicht ganz wörtlich ausgelegt, denn lange wird im Garten beisammen gesessen.

Über dem See Genezareth wacht nur 4 km westlich der Berg Arbel, auf dem sich die Ruinen einer Festung und einer Synagoge befinden. Wir fahren hinauf, um von der schwindelerregenden Klippe eine wunderschöne Aussicht über den See, die Golanhöhen und Galiläa zu genießen und auf der gegenüberliegenden Seite zugleich die eingefrästen Löcher von Höhlenwohnungen zu bestaunen, in die sich einst Hasmonäer, die gegen König Herodes kämpften, zurückzogen. Will man zu der Festung weiterwandern, muss man schwindelfrei sein und auch seine Hände an der Steilpassage benutzen.

Wir begeben uns vom Berg Arbel wieder hinab an das Seeufer und folgen der Straße gen Süden – immer dem Jordan entlang. Die Verbindungsachse vom See Genezareth zum Toten Meer bleibt jedoch meist im grünen Tal verborgen. Bananen, Oliven, Weintrauben – hier blüht und grünt viel im Freiland aber auch unter den Gewächshausplanen. Vor uns taucht ein Checkpoint auf, den wir langsam durchfahren. Ein kurzer Wink und schon sind wir in der Westbank.

Die Landschaft wird karger, der Grenzzaun zu Jordanien verläuft direkt am Straßenrand, ein alter, verrotteter Panzer ist Zeuge des Kampfes im Sechs Tage Krieg um dieses Stück Land. Am Nordufer des Toten Meeres, an dem die letzten Grünflächen in Wüste übergehen, liegt eine Rast- und Tankstelle, der Treffpunkt hier schlechthin. Von hier werden bereits kleine Wüstentouren auf dem Kamelrücken angeboten. Auch wir rasten noch einmal kurz, bevor wir erneut einen Checkpoint durchqueren. Mit israelischem Kennzeichen kein Problem, mit einem grün-weißen Nummernschild der Palästinenser schon eher. Ahava-Schilder weisen den Weg zur bekannten Fabrik, die Produkte aus dem Toten Meer-Salz ins Ausland exportiert. Nur noch wenige Schritte sind wir entfernt vom tiefsten Punkt der Erde, an dem man tatsächlich fast über das Mineralien- und salzreiche Wasser gehen kann oder zumindest über ihm schweben.

Im Reisegepäck hatte ich das DUMONT Reise-Handbuch Israel, Palästina, Sinai, 3. aktualisierte Auflage 2015

Ich wurde von Israel Tourismus eingeladen. Alle Ansichten sind meine eigenen. 

Mein Hong Kong – Tipps von Kaja Reschke

Kaja hat es schon immer in die Ferne gezogen und in Hong Kong hat sie die Möglichkeit bekommen, sich beruflich weiterzuentwickeln. Mit ihrem Blog Kajas Corner möchte sie andere Menschen für Hong Kong begeistern und einen Einblick in mein Expat-Leben geben.

Du lebst seit Anfang 2015 als Expat in Hongkong. Worin besteht für Dich der Reiz an der Stadt?
Hong Kong ist so unglaublich vielfältig. Auf der einen Seite ist Hong Kong die Stadt mit den meisten Hochhäusern weltweit und auf der anderen Seite gibt es über 30 Strände und unzählige Wanderwege. Die Kombination aus Großstadtflair mit Shopping Malls, internationalen Küchen und ruhiger Natur fasziniert mich. In Hong Kong kann man einfach alles gleichzeitig haben!

Viele Touristen kommen nach Hongkong und haben wenig Zeit. Welche Top-Sehenswürdigkeiten empfiehlst Du für den Kurzbesuch?
Auf jeden Fall sollte man auf den Victoria Peak fahren. Die Aussicht über Hong Kong ist dort fantastisch! Und dann unbedingt die alten Verkehrsmittel nutzen, z.B. einmal mit der Star Ferry von Kowloon nach Hong Kong Island fahren. Vom Wasser aus hat man einen tollen Ausblick über den Victoria Harbour. Und mit der Straßenbahn, der Deng Deng, einmal quer über Hong Kong Island. Das Beste an den alten Verkehrsmitteln – beide Fahrten kosten umgerechnet nur ca. 50 Cent! Ansonsten ist Hong Kong leider recht teuer. Abends sollte man sich ins Getümmel rund um Mong Kok und den Ladies Market stürzen. Hier findet man die Straßen voller bunter Leuchtreklamen. Wenn man etwas mehr Zeit hat, lohnt sich auch ein Besuch des Big Buddhas auf Lantau Island. Hier nutzt man am besten das Cable Car.

Hongkong erleben wie ein Einheimischer – was gehört da unbedingt dazu?
Sich mitten ins Getümmel stürzen und durch Mong Kok, die dicht besiedelste Gegend in Hong Kong spazieren gehen. Da gibt es viele kleine, lokale Restaurants die man einfach mal ausprobieren sollte! Unbedingt probieren muss man hier Dim Sum, das sind gefüllte Teigtaschen im Bambuskörbchen gedämpft. Auch ein Besuch eines der vielen Wet Markets lohnt sich. Diese Märkte findet man in jedem Stadtteil. Hier gehen die Hong Konger ihr Fleisch, Gemüse sowie auch Haushaltsartikel einkaufen. Auf den Märkten herrscht immer ein reges Treiben und lautes Getümmel. Grundsätzlich spielt sich das Leben der Hong Konger aufgrund der engen Wohnverhältnisse meist im Freien ab. Viele Menschen treffen sich abends nach der Arbeit und an den Wochenenden in einem der zahlreichen Parks. In dieser Hinsicht ist Hong Kong wirklich beispielhaft und bietet den Einwohnern viele Ruheoasen.

Es ist immer schön, sich einen Überblick über eine Stadt zu verschaffen. Wo sind die besten Aussichtspunkte in Hongkong?
Tagsüber bietet der Blick vom Viktoria Peak den besten Überblick und abends ist der Ausblick von der Bar Aqua auf die beleuchtete Skyline der Stadt einfach atemberaubend. Dazu gibt’s dort auch noch super Cocktails!

Hongkong ist auch Reizüberflutung. Was sind Deine Tipps, wenn einem Hongkong zu stressig wird? Wo findet man die kleinen Großstadtoasen, die einem Erholung bieten?
Hong Kong ist nur zu einem Viertel bebaut. Der Rest ist Grünfläche und bietet viele Möglichkeiten zum Hiken oder Relaxen am Strand. Auch die Outlying Islands, die vielen kleinen Inseln rund um die Hauptinseln Kowloon und HK Island, bieten sich für einen spontanen Tagesausflug an. Auf Lamma Island zum Beispiel ist alles sehr viel ruhiger und hier kann man super entspannen und sehr gutes Seafood genießen.

Was sind aus Deiner Sicht die größten Fauxpas, die man im Umgang mit den Einwohnern Hongkongs machen kann?
Man sollte es vermeiden, China und Hong Kong als ein Land zu bezeichnen. Die Einwohner Hong Kongs mögen es nicht mit Festland-Chinesen gleichgesetzt zu werden. Beim Essen sollte man die Stäbchen nie senkrecht in die Reisschale stecken, da dies eine Assoziation zum Tod bedeutet. Hong Konger sind jedoch im Allgemeinen sehr großzügig im Umgang mit westlichen Verhaltensweisen.

Wie kommt man mit der Bevölkerung in Kontakt? Und vor allem ist es einfach, auch Freundschaften zu schließen und zu erhalten?
Chinesen sind sehr neugierig auf uns Westler, aber auch sehr schüchtern. Meine Mittagspause verbringe ich immer mit meinen chinesischen Kollegen und so bin ich in Kontakt mit den Einheimischen gekommen. Aber es braucht viel Zeit bis wirkliche Freundschaften entstehen. Es gibt auch sehr viele kulturelle Unterschiede, das macht die gemeinsame Freizeitgestaltung schwerer.

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Meine Ausgehtipps:
Wenn es etwas schicker sein soll, dann kann ich absolut die Bar Aqua empfehlen! Tolle Cocktails und einen Wahnsinnsausblick! Im Aqua gibt es auch ein Restaurant, in dem italienische und japanische Gerichte serviert werden. Sehr zu empfehlen, aber leider auch etwas teurer. Abends trifft man sich auf der Lan Kwai Fong, der Partymeile mit vielen Bars und Clubs. Mittwoch abends ist das wöchentliche Pferderennen auf dem Happy Valley Race Course Pflicht! Die gesamte Expat-Community ist dort anzutreffen und die Stimmung ist ausgelassen, wie auf einem Volksfest!

Meine Restauranttipps: 
Seafood auf Lamma Island im Rainbow (kleiner Tipp: von dort direkt den Shuttle-Service direkt wieder nach Hong Kong Island in Anspruch nehmen).
Oder sich in kleine, lokale Restaurants trauen, wobei hier die Schwierigkeit bestehen kann, dass die Speisekarte nur aus Schriftzeichen besteht. Aber die meisten Menschen sprechen Englisch und somit kann man sich ganz mutig durchfragen. Dafür bekommt man gutes Essen für wenig Geld. Mein Favorit beim Streetfood sind Gai Daan Zai, die sogenannten Egg Waffles. Die sind köstlich! Etwas ganz Besonderes ist auch die Tea-Time im Peninsula Hotel. Das ist zwar nicht ganz preiswert, wer aber auf Tee und Gebäck steht, sollte dem Hotel unbedingt einen Besuch abstatten!

Mein Café-Tipp:
Mein Geheimtipp ist das Café Churros D‘Amour direkt am Ladies Market in Mong Kok. Das kleine Café wird von Franzosen betrieben und neben gutem Kaffee werden hier lauter kleine Köstlichkeiten angeboten.

Mein Tipp für Sportsfreunde:
Volkssport der Hong Konger ist das Hiken. Auch als Anfänger gibt es viele Strecken, die man gut erkunden kann. Ansonsten kann man super Schwimmen gehen, denn es gibt unzählige traumhafte Strände in Hong Kong.

Meine Kulturtipps:
In Hong Kong gibt es zahlreichen Museen, in denen es viel zu entdecken gibt, jedoch erlebt man die besten Geschichten, wenn man einfach raus auf die Straßen geht, sich in die kleinen Seitengassen wagt und versucht mit den Locals ins Gespräch zu kommen. Unbedingt sollte man sich auch einen der zahlreichen Tempel anschauen, wie zum Beispiel den Tempel der 10.000 Buddhas.

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Genua, Italien, puriy

Genua – should I stay or should I go?

Ich stehe unter der wehenden Wäsche in einer engen Gasse Genuas, in die kaum ein Sonnenstrahl fällt. Aus einer Seitenstraße tönt Straßenmusik. Ich weiß nicht, wo genau ich bin, habe wieder die Orientierung verloren. Das passiert in Genua schnell.

Ich bin gekommen, um zu gehen – ähnlich ergeht es vielen, die Genua besuchen. Meist ist es ein Aufenthalt auf kurze Zeit oder wenige Stunden. Von einem der größten Häfen im Mittelmeerraum stechen zahlreiche Touristen an Bord riesiger Kreuzfahrtschiffe in See oder setzen mit einer Fähre nach Sardinien, Korsika oder Sizilien über. Damit tun sie es auf weniger abenteuerlichen Art dem berühmtesten Sohn der Stadt, Christoph Kolumbus, gleich, der in der ligurischen Hauptstadt 1451 zur Welt kam. Nicht nur Kolumbus zog aus, die Welt zu entdecken, sondern viele Genueser suchten ihr Glück ebenso in der Ferne – die da u.a. Buenos Aires hieß. Wer kennt sie nicht, die bunten Wellblechhäuser von La Boca in der argentinischen Hauptstadt?

Auch ich bin gekommen, um heute Nachmittag bereits zu gehen. Nur ein Tag bleibt mir für Genua. In dem Moment, in dem ich mich in dem Labyrinth der Caruggi, wie die engen Gassen heißen, verliere, bereue ich meine Eile. Wo andere Großstädte Hast bedeuten, ist Genua Zerstreuung.

Ich stehe eben noch auf der geschäftigen Piazza San Lorenzo und biege in eine kleine Seitenstraße Richtung Osten ab, in der ich von der plötzlichen Stille, die zwischen den hohen Hauswänden eingefangen wird, völlig überwältigt werde. Ich schlendere durch düstere, menschenleere Gassen in Richtung Piazza Ferretto, in die nur wenig Licht einfällt. Hier bröckelt der Putz von den mittelalterlichen Hausfassaden, dort wurde das fleckige Beige und Ocker mit bunten Graffitis übersprüht. Die Häuser stehen so eng beieinander, dass sich die Nachbarn zwischen den grünen Fensterläden fast die Zuckerdose um Kaffee über die Straße reichen könnten. Ein orientalischer Hauch weht durch die Gassen von Europas größter mittelalterlichen Altstadt, die sich ähnlich auch in jeder arabischen Stadt befinden könnten. Ich weiß nie, was sich hinter der nächsten Kurve oder Ecke verbirgt. Nur der schmale Streifen des Himmels begleitet mich beständig.

Am Ende der Via di Donato erreiche ich den kleinen Piazza di Donato, den die gleichnamige Kirche in schwarz-weißem Gemäuer ziert. An diesem Sonntagmorgen treffe ich immer wieder auf gut gefüllte Gotteshäuser im Weihrauchdunst. Eine alte Frau sitzt bettelnd auf den Stufen. Aus dem Innenraum drängt eine Stimme, neugierig folge ich ihr.

Dann laufe ich weiter durch leere Gassen, bis ich auf der Piazza Renado Negri auf eine Touristengruppe stoße, die vor dem Teatro della Tosse steht um die schwarz-weiße Fassade der Chiesa di Sant’Agostino zu fotografieren.
Noch ein Stück weiter den Hügel hinauf erreiche ich das Casa Paganini und kurz darauf die Kirche S. Maria di Castello und den 43 m hohen Torre de Embriaci aus dem 12. Jahrhundert.

Noch einmal passiere ich die engen Gassen, bis ich die Kuppeln der Glockentürme von der mittelalterlichen Cattedrale di San Lorenzo in schwarz-weißer Marmorfassade auf der Piazza San Lorenzo erblicke. Plötzlich bekommt die Stadt wieder eine Stimme. Ob Händler oder Straßenmusiker, Touristen mischen sich unter Einheimische. Eine Piazza reiht sich an die nächste, immer wieder ziert Carrara Marmor die typischen genovesischen Kirchen, nur die Basilica di nostra Signora delle Vigne auf dem Piazza delle Vigne erstrahlt nicht im Zebramuster. Auch der mittelalterliche Palazzo Ducale an der Piazza Matteotti, der ehemalige Sitz der genuesischen Dogen, beeindruckt mich.

Hafen, Piazzi, Kirchen, Gassen sind die eine Seite Genuas, die andere heißt Palazzi. Die herrlichen genuesischen Wohnsitze des 16. Jahrhunderts zieren vornehmlich die Einkaufsstraßen Via Balbi, Via Cairoli und Via Garibaldi – die Strade Nuove, die neuen Straßen. Bis zu sieben Stockwerke reichen diese stolz in den Himmel. Der Name „La Superba“, die Stolze, den viele Italiener Genua verleihen, ist nicht zuletzt auch diesen prächtigen Palästen geschuldet.

Die prächtigen Residenzen der reichsten und einflussvollsten genuesischen Familien des Goldenen Jahrhunderts, dem 16.–17. Jahrhundert, die durch die Einschreibung in das Register der öffentlichen Gästebewirtung – die Rolli – eine Repräsentanzfunktion einnahmen, wurden 2006 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Daher nennt man die historischen Adelspaläste man auch Palazzi dei Rolli.

Zu den bekanntesten Palazzi zählen der Palazzo Bianco mit seiner weißen Fassade und der Palazzo Rosso mit seiner roten Fassade, in denen Gemäldegalerien untergebracht sind, sowie der Palazzo Doria Tursi, in dem sich heute das Rathaus von Genua befindet.

An der Piazza di Portello nehme ich den Lift zur Spianata Castelletto, eine der reichsten Gegenden Genuas. Von hier genieße ich den Blick über die Stadt und das Meer. Einige Lifte (Ascensore) und Seilbahnen (Funicolare) führen Bewohner und Touristen die Hänge Genuas hinauf. Ich begebe mich hingegen noch einmal nach unten – passiere die Villetta Di Negro mit dem Museo die Arte Orientale. Auch von den Terrassen in dieser Grünanlage hier hat man einen schönen Ausblick. Von der Piazza Corvetto gehe ich die Via Roma hinab und erreichedie Piazza de Ferrari mit der berühmten Fontäne. In der Via XX Settembre flaniert Jung und Alt in den Arkaden – Modeläden reihen sich hier aneinander. Da mag der Mercato Orientale fast wie aus einer anderen Zeit anmuten. Frischer Fisch, saftiges Obst und Gemüse, Blumen und Gewürze werden hier zum Kauf angeboten.
Auf dem Rückweg komme ich an der Piazza Dante mit dem Kolumbus-Haus vorbei, doch ich laufe noch einmal durch das Gassengewirr zum alten Hafen. Hier befindet sich Start und Ziel des Family Runs, zu dem zahlreiche Familien gekommen sind. Doch auch ohne diese Veranstaltung geht es in der alten Hafenstraße Via di Sottoripa in den mittelalterlichen Arkaden mit den vielen Läden und Geschäften Tag und Nacht lebhaft zu. Nur die Art der Geschäfte variiert.

Anlässlich der Kolumbus-Feiern und zur Eröffnung der Expo 1992 hat der zweite berühmte Sohn der Stadt, Stararchitekt Renzo Piano, den Alten Hafen komplett neu gestaltet. Dass dieses Unterfangen eine Herausforderung war, kann man seiner Aussage „Ein Hafen ist nun einmal ein Hafen.“ entnehmen. Doch Piano gelang es trotzdem, gekonnt eine Brücke zwischen Moderne und historischen Bauten zu schlagen und das Viertel für Erholung und Zeitvertreib zu beleben. Was Piano wunderbar versucht hat, umzusetzen, wird zwischen historischem Zentrum und dem „Alten Hafen“ nur durch die lärmende Hochstraße Sopraelevata Aldo Moro gestört. Neben der seltsamen Konstruktion „il Bigo“, in die ein Panoramaaufzug aus Glas integriert ist, befindet sich in Genuas Altem Hafen auch eines der größten Aquarien Europas. Das antike Baumwolllager hingegen beherbergt Restaurants, Geschäfte und Kinos. Ein besonderer Blickfang am Alten Hafen ist der Palazzo di San Giorgio mit seinen Fresken auf der Piazza. Der prachtvolle Palast wurde im Jahre 1260 als erstes öffentliches Gebäude von Genua erbaut und diente später als Gefängnis und heute als Hafenbehörde. Von hier schaue ich hinaus auf das Meer und frage mich, should I stay or should I go now?

Ich wurde von Turismo Liguria eingeladen. Alle Ansichten sind meine eigenen. 

Boutique-Hotel Casa Amani, Santa Marta, Kolumbien

Boutique-Hotel Casa Amani – Frieden und Ruhe im vibrierenden Santa Marta

In Santa Marta sind die Boutique Hotels in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Es gibt große Hotelketten, die mehrere Häuser der Altstadt vereinen, und auch ganz familiäre kleine Hotels. Wir entschieden uns für eine Übernachtung im Boutique Hotel Casa Amani im Herzen der Altstadt von Santa Marta. Mit fünf Zimmer gehört das Casa Amani klar zu den kleineren Boutique Hotels, die gerade über ihren individuellen und persönlichen Service punkten. Doch was ist das besondere an diesem kleinen Casa? Schon als wir die schwere Eingangstür öffenen und das kleine Boutique-Hotel betreten, atmeten wir die koloniale Vergangenheit dieser Gemäuer ein.

Besitzer des Hauses ist ein NGO-Mitarbeiter, der weltweit im Einsatz ist. Hier holt er auch seine Inspiration. Die Dekoration des Boutique-Hotel Casa Amani besteht deshalb aus vielen Mitbringseln aus Afrika, Asien und Mittel-/Südamerika.

Sein Beruf stand auch Pate bei der Namensgebung und nicht zufällig heißt Amani Frieden auf Swahili. Dies beschreibt auf den Punkt das Konzept des Hauses,  Frieden auf jeweils einer anderen Sprache heißt jedes der fünf Zimmer. Wenn der Besitzer wieder im Einsatz ist, führt seine Schwester das kleine Casa und diesen familiären und persönlichen Charme und Service spüren wir gleich von Beginn.

Zimmer

Das kleine Boutique Hotel Casa Amani verfügt über fünf Zimmer.

  • Sohl Suit, Frieden auf Persisch
  • Heiwa Double, Frieden auf Japanisch
  • Kalui Twin, Frieden auf Arahuaco
  • Mir Suite, Frieden auf Russisch
  • Shanti Matser Suite, Frieden auf Sanskrit

Wir schliefen im Doppelzimmer Heiwa. Das Zimmer ist mit Möbeln und Handwerkskunst aus Asien, Afrika, dem Mittleren-Osten und natürlich Kolumbien eingerichtet.

Bis auf die Mir-Suit im minimalen weißen Design mit privater Terrasse folgen die übrigen Zimmer mit ihren stilvollen Holzmöbeln und traditionellen Handwerkskunst eher einer rustikalen Linie.

Das Casa bietet kostenloses Wi-Fi – die Geschwindigkeit sowie die Erreichbarkeit im Zimmer und im Haus war okay, aber könnte etwas besser sein. Alle Zimmer verfügen über Dusche mit heißem Wasser, Air-Condition, Kabelfernsehen, Zimmer-Safe und 24-Stunden-Service.

Frühstück

Frische Früchte, reichhaltiges Müsli, Ei-Variationen, selbstgemachte Marmeladen und kräftiger kolumbianischer Kaffee sind nur einige Spezialitäten, die uns zum Frühstück gereicht wurden. Die Servicekraft las uns quasi jeden Wunsch von den Lippen ab und verwöhnte uns mit meinem Lieblingssaft Lulo.

Beim Frühstück geht es ganz familiär zu. An einem großen Holztisch frühstückt man gemeinsam mit den anderen Gästen und kommt unmittelbar ins Gespräch.

Lage

Das Casa liegt im Herzen der Altstadt von Santa Marta. Durch die zentrale Lage stolpert man direkt in die vibrierenden, historischen Gassen der ältesten Stadt Kolumbiens. In ca. fünf Minuten ist man direkt an der Strandpromenade. Restaurants, Cafés, Bars und Kunsthandwerksläden sind in unmittelbarer Nachbarschaft.

Das Boutique Hotel Casa Amani ist natürlich auch ein guter Ausgangspunkt für Tagestouren an den Strand oder nach Minca in der Sierra Nevada de Santa Marta. Es ist auch ein idealer Ort, um sich von den Mehrtagestouren zur Ciudad Perdida in der Sierra de Santa Marta oder nach La Guajira zu erholen.

Fazit

Wir fühlten uns gleich wohl und nach unserer dreitägigen Reise nach La Guajira konnten wir hier ein wenig durchatmen. Eine kleine ruhige Oase inmitten der hektischen Stadt an der Karibik. Abkühlung und Entspannung findet man übrigens im kleinen Pool im Innenhof.

Das Haus organisiert auch Ausflüge in die Umgebung, wir selbst haben diesen Service aber nicht getestet.

Wir wurden vom Boutique-Hotel Casa Amani eingeladen. Alle Ansichten sind unsere eigenen.

Müritz, puriy

In einem Tag um die Müritz – 100 km mit Rad

Da ist sie, die frische Seeluft, die steife Brise, die im Norden immer ein Stück heftiger weht. Als wir den geschützten Wald, den wir größtenteils an der Ostseite der Müritz durchfuhren, am Ortseingang von Waren verlassen, kämpfen wir gegen die Sturmböen an. Dunkle Wolkenschichten schieben sich über uns hinweg, während neben uns am Uferweg das Wasser in Wellen an Land schwappt. Wir haben den größten Binnensee Deutschlands (auf deutschem Gebiet) erreicht – die Müritz. Leichter Nieselregen stäubt uns einen Hauch Frische ins Gesicht, doch uns dürstet es eher nach Wärme. Wir suchen das Kietzspeichercafé auf, um bei Kaffee und Kuchen zu entscheiden, ob wir die Müritzumrundung an dieser Stelle fortsetzen – unsere Radtour um die Müritz an einem Tag.

Etwa ein Drittel liegt hinter uns, aber erst jetzt sehe ich die Müritz das erste Mal auf dieser Tour vor mir: Von Blankenförde sind wir über Granzin, Speck, Federow bereits nach Waren geradelt. 32 km in knapp zwei Stunden mit wenigen Fotostopps. Das klingt nicht viel, ist auch nicht viel, aber meine Erkältung der letzten Woche spüre ich dennoch wieder hochkommen. Ab einem gewissen Punkt kann man nicht mehr umkehren. Noch geht es.

Wenn man die Müritz umrundet, fährt man nicht nur um einen See. Man umradelt gleich viele Seen, Wälder, Wiesen und atmet ein Stück frische Mecklenburger Seeluft ein. Man zwingt sich irgendwann dazu, nicht jeden Aussichtpunkt mitzunehmen, nicht auf jeder Bank zu verweilen – sonst bräuchte man mehrere Tage. Wenn man die Müritz an einem Tag umrundet, und diese Tour auch erst mittags startet, dann fährt man doch irgendwo gegen die Zeit und am Ende gegen seine körperlichen Kräfte.

Durch die Wälder an der Ostseite der Müritz entlang: Blankenförde – Speck – Federow – Waren

Unser Startpunkt der Radausfahrt liegt ein bisschen abseits der Müritz. Blankenförde ist dennoch ein beliebter Stopp auch bei Radlern, die den Fernradweg Berlin-Kopenhagen entlangfahren. Die Straße nach Babke bietet zunächst mit ihrem Asphaltbelag einen guten Einstieg. Leicht wellig ist das erste Stück von einem Auf und Ab geprägt. Die Kirche in Babke ist an Wochenenden immer geöffnet und lädt zu einem Besuch ein. Ein Stück weiter wird selbstgemachte Marmelade angeboten und aus einem Storchenhorst schaut auch dieses Jahr wieder der lange Schnabel von Adebar heraus. Am Ortsausgang zweigt sich die Straße und führt einmal Richtung Zartwitz oder eben nach Granzin. Gerade mit Rennrad bietet sich die Strecke über Granzin eher an, auch wenn die Teerdecke bald hinter Babke in eine Gittersteinstraße übergeht. Zuvor kann man noch an der Kanuumtragestelle rechter Hand sich beim Fischer stärken. Auf dem Weg nach Granzin ragen aus einem kleinen Moorgebiet abgestorbene Hölzer gen Himmel – ein schönes Fotomotiv.

Kurz vor dem Ortseingang Granzin, wo aktuell gebaut wird, biegen wir links Richtung Krienke ab. Auf einer Teerstraße lässt es sich nun besser fahren als auf den holprigen Steinen. Schnell passieren wir an der Granziner Mühle die Umtragestelle für Kanufahrer, die sich hier einer Lore zwischen Pagelsee und Schulzensee bedienen. Nicht nur Paddler werden gefordert, sondern auch wir. Doch hinter einer kleinen Anhöhe wartet eine Badestelle – bei ein paar Grad mehr sicherlich schön für ein erstes Bad im Pagelsee. Von hier geht es nun ins geschützte Nationalparkgebiet, das durch eine Schranke für den normalen Autoverkehr gesperrt ist. Nur Busse und Anwohner kommen hier durch.

Durch Kiefernwälder führt uns nun die gut geteerte Straße zum Zartwitzer Kreuz. Fährt man hier immer gerades aus, erreicht man irgendwann Boek und somit die Müritz. Wir biegen jedoch rechts Richtung Speck ab. Die Straße führt weiter durch das geschützte Waldgebiet. Einen lohnenswerten Stopp sollte man am Käflingsberg einlegen. Vom Käflingsbergturm, der sich hier befindet, wird man mit einem besonderen Ausblick über die Seen, Wälder und Wiesen des Nationalparks belohnt. Wir radeln weiter nach Speck, wo man erneut eine Schranke passiert und dem Verkehr ausgesetzt ist. Eine kleine Raststätte lädt zum Halt ein. Einst befand sich hier auch ein Schloss, das einem Brand zum Opfer fiel. Durch das Gittertor kann man noch einen Blick auf die Überreste erhaschen.

Wir radeln weiter nach Schwarzenhof – mit Rennrad eine etwas heikle Geschichte. Denn neben der geteerten Straße befindet sich ein Rad- und Wanderweg auf Waldboden. Dementsprechend wird man auch von jedem vorbeifahrenden Fahrzeug auf diesen Weg verwiesen – mit Rennrad kein besonders gutes Terrain. Von Schwarzenhof führen im Herbst Touren in das Feuchtgebiet, in dem die Kraniche rasten. Auch jetzt gefällt mir der kleine Ort mit seinen reetgedeckten Häusern, er strahlt eine gewisse Beschaulichkeit aus. Kurz vor Federow biegen wir auf eine Fahrradstraße Richtung Waren ab, die zunächst über Felder und dann wieder durch den schützenden Wald führt. Die 6km vergehen im Flug – glücklich erreichen wir unser erstes Etappenziel Waren im leichten Nieselregen.

In den Rapsfeldern im Westen der Müritz: Waren – Klink – Sietow – Röbel

Waren durchfahren wir auf dem Radweg immer der Müritz entlang. Einen Abstecher auf den Marktplatz in der Altstadt legen wir dieses Mal nicht ein. Auch ein Besuch des Müritzeums wäre zu zeitaufwendig. Vom Yachthafen radeln wir weiter Richtung Schwimmbad durch die Kleingartenanlagen, um dann doch auf der Fernverkehrsstraße den komfortableren Radweg aufzusuchen, wohlwissend, dass der Weg weiter am Ufer idyllischer gelegen ist. Mit Rennrad ist man häufig pragmatisch. Der Straßenbelag dominiert dann doch die Streckenwahl, nicht die Schönheit der Umgebung. Und so ergibt sich mit der schmalen Brückenstelle zwischen der Binnenmüritz und dem Röblinsee vorerst die letzte schöne Aussichtsstelle über die Seenlandschaft. Segelboote schaukeln entspannt über das Wasser und auch ich sehne mich jetzt lieber auf’s Boot.

Was nun folgt, sind Auf- und Abfahrten zwischen Rapsfeldern und Straße. Der strenge Duft der leuchtenden Felder brennt sich in meine Nase. Greifvögel rasten immer wieder am Straßenrand oder ziehen Kreise über unsere Köpfe. Der Straßenlärm der vorbeifahrenden Autos nimmt diesem Streckenabschnitt den Reiz. Doch irgendwo hier schaffen wir die 50 km-Marke. Irgendwo bleibt aber auch meine Motivation auf der Strecke. Umkehren geht nicht mehr, macht keinen Sinn. Als wir endlich Röbel erreichen, schaue ich sehnsüchtig auf die gegenüberliegende Seite. Als hätte mich jemand erhört, wird zumindest ein bisschen Sonne mitgeliefert und der Himmel reißt langsam auf. Am Hafen tümmeln sich die Touristen, die die Müritz mit Schiff überqueren oder einfach nur ein Bierchen trinken wollen. Röbel habe ich nicht als besonders schönen Ort in Erinnerung und doch bin ich dieses Mal überrascht. Wo es dem Hafen an Reiz fehlt, schmücken farbige Fassaden und restaurierte Fachwerkhäuser die Stadt. Ich muss doch immer wieder einen kurzen Stopp an der Straße einlegen, um die Altstadt zu fotografieren, bevor wir uns Richtung Ludorf auf eine einsame Straße begeben.

 

Im Süden der Müritz: Ludorf – Vipperow – Rechlin 

Geteert und nahezu autofrei – so macht Rad fahren Spaß, selbst wenn es langsam in der Wade zwickt. Der Blick für das Schöne fehlt mir inzwischen vollkommen. In Ludorf steht ein hübsches Gutshaus aus dem Jahr 1698 und eine Oktogonkirche, die mit ihrem achteckigen Grundriss eine seltene architektonische Besonderheit in der Backsteingotik ist. Sie hat wohl der um 1150 vom Kreuzzug heimgekehrte Ritter Wipert Morin errichten lassen, der das Heilige Grab in Jerusalem als Vorbild im Auge hatte.

Zwischen Vipperow und Vietzen erreichen wir den südlichsten Punkt unserer Müritz-Umradlung. Im Norden blicken wir von der Brücke in Vipperow auf die Kleine Müritz in südlicher Richtung führt ein Müritzarm in den Müritzsee. In Vietzen überquert eine Brücke den Mirower Kanal. Erinnerungen an unsere nicht weniger anstrengende Müritz-Paddel-Tour werden wach. Doch viel Zeit bleibt uns nicht, in Gedanken zu schwelgen. Nun liegt die herauslugende Sonne wieder links von uns – wir befinden uns auf der Ostseite der Müritz. Es ist auf solch einer Tour motivierend, wenn man weiß, dass man wieder auf der richtigen Seite angekommen ist. Und so erreiche ich mit schweren Beinen nach 3,5 Stunden Rechlin, wo ich am kleinen Yachthafen das letzte Mal auf die Müritz blicke. Das Ortsbild dominieren rote Klinkerhäuser. Neben dem Wasser spielte zudem die Luftfahrt eine gewichtige Rolle in der Vergangenheit. Im Luftfahrttechnischen Museum kann man hierüber mehr erfahren. So entstand hier 1916 die Flieger-Versuchs- und Lehranstalt. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden die bestehenden Anlagen demontiert.

In den 30er Jahren wurde im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht das Gelände zur Erprobungsstelle Rechlin der deutschen Luftwaffe, die dort neue Flugzeuge, Bomben und technische Ausrüstungen testete. Nach Kriegsende wurden sowjetische Truppen stationiert und das Gebiet mit einer Mauer umgeben und war damit nicht mehr zugänglich.

Endspurt: Boek – Granzin – Blankenförde

Von Rechlin fahren wir auf der Straße zur Bolter Schleuse. Neben uns liegt ein Munitionsbelastetes Gebiet in den Wäldern. Schilder weisen darauf hin, das Gebiet nicht zu betreten. Bald erreichen wir die Bolter Schleuse am Bolter Kanal, wo Paddler emsig ihre Kanus über die Straße tragen. Über diese Stelle gelangt man von der Müritz in die östlich gelegenen Seen wie Caarpsee, Woterfitzsee, Leppinsee. Wer mindestens zwei Tage Zeit zum Paddeln hat, dem sei diese Runde auf Wasser empfohlen, die über den Mirower Kanal wieder zurück in die Müritz führt.

Ein Stück weiter gen Norden erreichen wir die Boeker Mühle mit ihren Fischteichen. Kurz dahinter biegen wir in einen Waldweg ein und erreichen bald wieder die Radstraße nach Granzin. An der Stelle, an der wir das Zartwitzer Kreuz passieren, haben wir den Kreis genau genommen geschlossen. Doch wir sind noch nicht an unserem Ziel angekommen. Das liegt noch ein paar Kilometer weiter und lässt uns die 100 km komplettieren. Auf dem Weg stoppen wir noch einmal in Granzin, um uns im Granziner Krug zu stärken, bevor wir die letzten 10 km nach Blankenförde angehen.

Streckenlänge: ca. 100 km
Empfehlung: Diese Runde kann man auch mit Tourenrad und mehreren Stopps auf zwei Tage aufteilen.
Schwierigkeitsgrad: leicht-mittelschwer. Die Strecke ist größtenteils flach.
Bodenbeschaffenheit: Mit Rennrad wählt man nicht immer die idyllischste Strecke am Wasser, da diese gerade an der Westseite nicht asphaltiert ist. Auf unserer gewählten Strecke war das holprigste Stück Strecke zwischen Babke und Granzin.
Erreichbarkeit: Unseren Startpunkt Blankenförde erreicht man von Berlin aus mit dem Auto in ca. 2 h über die Bundesstraße 96 bis nach Neustrelitz und von dort aus dann Richtung Userin und Mirow fahren. Mit dem Zug fährt man ebenso nach Neustrelitz von Berlin Hauptbahnhof. Von dort nimmt man den Bus (Linie 679). Dies dauert noch einmal eine halbe Stunde.
Alternativ bietet sich natürlich als Startpunkt die Stadt Waren an. Alle zwei Stunden fährt von Berlin Hauptbahnhof ein Regionalexpress in ca. 90 Minuten nach Waren (täglich zwischen 6 Uhr und Mitternacht). Aus Richtung München, Nürnberg, Halle und Berlin fährt montags bis freitags ein ICE direkt nach Waren.

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