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Medellin – Boteros Kampf gegen die Hässlichkeit {DIARY}

Medellin, Botero Plaza

Ein Tag in Medellin. Da wir im In-Viertel Poblado wohnen, wollen wir heute mal einen Ausflug in die Innenstadt machen. Ich sage schon bewusst nicht „Altstadt“, denn alte Baustruktur erwarte ich nicht so wirklich. Aber wenigstens ein bisschen Kunst, kommt doch Kolumbiens bekannter Künstler Botero aus Medellin und hat der Stadt viele Skulpturen geschenkt, die nun u.a. den Plaza Botero zieren. Das soll auch unser Ausgangspunkt im Zentrum sein. Der Weg hierhin führt schon eher durch Handwerksecken. Aber es kann ja noch schön werden, denn wir sind schließlich in Kolumbiens Wirtschaftsmetropole Medellin. Doch geht unser beider Kinnklappe runter, als wir bereits auf dem Plaza ankommen, ohne es großartig zu bemerken. Dieser Platz hat zwar Palmen, Parkbänke, Straßenverkäufer etc., was er aber nicht hat, ist ein schöner, säumender Rand. Hässlichkeit à la Cali schlägt uns entgegen. Sind wir einfach Bogota verwöhnt mit seiner schönen Altstadt der Candelaria? Oder erwarten wir zu viel, nach den süssen Ortschaften und Kleinstädten? Kein Wunder, dass Botero nicht zu schönen, schlanken Motiven mit Pinsel und Farbe griff.

Der Platz ist voller Menschen, die sich zum großen Teil als Touristen entpuppen – kolumbianische wohlgemerkt. Das macht hier den Unterschied. Denn während sie alle freimütig mit ihren Kameras hantieren, werde ich, kaum um die Schulter gehängt, schon von einem Polizisten angesprochen. Hier gibt es dubiose Menschen und es sei nicht der richtige Ort, die Kamera auszupacken… Ja wo denn sonst, wenn nicht in Medellins Zentrum, sei denn nun der richtige Ort für’s Fotografieren? Verunsicherung macht sich breit. Inzwischen schau ich mich genau um, wer mir zu nah aufläuft. Ein Blick über den Platz und auch durch die Straßen sagt uns, wir sind ziemlich allein auf weiter Flur. Klar, die jungen Partytouristen sind noch am Schlafen. Aber von allen Seiten angestarrt zu werden, macht einen wirklich langsam nervös und zum wahren Exoten. Wie sehr wünschte ich mir jetzt ein mal ein paar mehr ausländische Touristen. Wir schauen uns, die Kamera dezent weggepackt, noch ein bisschen in der Umgebung um und steuern den Parque Berro an. Die Straße, die hierhin führt, ist ebenso hektisch und voller Menschen. Auch hier sehe ich wieder mehr Beton als Schönheit. Für Ästhetik sorgt hier allein nur Botero mit seiner künstlerischen Hinterlassenschaft.

Dann laufen wir noch zum Parque de Bolivar mit seiner Catedral Basilica de la Inmaculada Concepcion de Maria. Das Zentrum besticht einfach, ich sag es ungern, durch Hässlichkeit. Wir schauen uns noch Souvenirshops an und trinken etwas im Café des Museos de Antioquia, bevor wir ein Taxi zurück zur wohlbehüteten Zona Rosa nehmen. Am Parque Lleras steigen wir aus und sind auf dem ersten Blick positiv überrascht von dieser Gegend, die das Ausmaß der Zona Rosa Bogotas weit übersteigt. Ruhe und Grün – das drängt sich uns als erstes auf. Wir laufen durch die Straßen mit den kleinen Boutiquen und Restaurants. Hier haben auch viele Hostels ihren Platz. Nah an der Partymeile sein, das ist das oberste Credo. Abends schauen wir noch einmal am Parque Lleras vorbei, denn nun pulsiert auch hier das Leben. Was ich nicht mehr finde, ist Ruhe. Aus jedem Laden schreit andere Musik, als wollte man die Gäste allein durch die Lautstärke überzeugen. Da bleibt das Essen glatt in der Kehle stecken oder vergeht einem ganz. Wir laufen umher, während sich der Parque Lleras immer mehr mit jugendlichen Gruppen füllt, die auf den Parkbänken mit ihrem selbst mitgebrachten Alkohol überall sitzen. Es kommt inzwischen Ballermannfeeling bei uns auf – die Gegend hat ihre Ruhe und ihren Charme blitzartig verloren. Gegensätze scheint diese Stadt genug zu kennen.

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