Alle Artikel in: Allgemein

Maremma – ein Stück unbekannte Toskana

In den Gassen von Orbetello kann man an diesem Herbsttag selbst dem Zirpen der Grillen noch lauschen, wenn nicht gerade aus irgendeinem Haus Musik ertönt. Während auf den Straßen und in den Restaurants fünf Tage lang die kulinarischen Köstlichkeiten der Maremma im Mittelpunkt stehen, musizieren besonders begabte Einheimischen unter dem Applaus der Gäste auf ihren Balkonen. Es ist Gustatus – ein gastronomisches Festival, das sich auf die Erzeugnisse der Maremma konzentriert und eine Vielzahl an italienischen Besuchern aus der Umgebung und dem 1,5 Stunden entfernten Rom in das 8000 Einwohner zählende Städtchen lockt. Der Trubel in den engen Straßen kann dem Charme von Orbetello nichts anhaben. Wer Ruhe sucht, der tritt einfach an das Ufer und überblickt das glitzernde Wasser. Denn noch faszinierender als das alte Gemäuer der einstigen etruskischen und römischen Stadt, die später von Spaniern und Franzosen besetzt und von Österreichern eingenommen wurde, ist ihre faszinierende Lage. Die Lagunenstadt Orbetello und Tombolo Feniglia Die heutige Lagunenstadt, die in der Antike gar eine Insel war, liegt szenisch auf einem Damm, der das Festland mit der vorgelagerten Insel Argentario verbindet. Südlich …

Córdobas große Schwester

Es gibt Córdoba und es gibt Córdoba. Das eine ist die wunderschöne Hauptstadt der Provinz Córdoba in Spanien und die drittgrößte Stadt Andalusiens und das andere ist die zweitgrößte Stadt Argentiniens mit der zweitälteste Universität Südamerikas. Genau Letztere war eines meiner Ziele auf einer Reise, die unter einem nicht so guten Stern stand. Wir landeten eher per Zufall auf der Reise in Argentinien, anstatt in Kolumbien. So hatten wir auch keinen Plan, welche Orte neben Buenos Aires, Ushuaia, El Calafate und Bariloche wir uns noch ansehen sollten. Da erinnerten wir uns an ein Gespräch mit deutschen Touristen im Zug Richtung Aguas Calientes bzw. Machu Picchu 1 Jahr zuvor. Wie Paris, Tokio, New York zählten sie die Ziele ihrer Reise herunter und die lauteten Galápagos, Machu Picchu, Rio und Córdoba. Córdoba? Wir waren erstaunt, nicht Buenos Aires? Nein, Sie wollten Córdoba mit LAN als nächstes anfliegen. Das soll so wunderschön sein. Glaubt man Google, dann wird die Stadt „wegen vieler Bauten aus der Kolonialzeit (…) auch von zahlreichen Touristen besucht.“ Zu den zahlreichen Touristen sollten nun auch wir zählen. …

Friedrichshain Raw Gelände

Kiezerinnerung – Broken Window Friedrichshain

Ich weiß nicht, wann der kleine schummrige Laden, der vorgab, mal ein Plattenladen gewesen zu sein, sich in einen Puff verwandelte. Längst gingen in der Mittagspause und zum Kaffeetrinken Arbeiter im Blaumann und Geschäftsmänner im Anzug aus und ein, als plötzlich irgendwann das kleine blaue Schild mit den rosaroten Lettern AMORE vor der Tür leuchtete. Wie oft machte ich mit mir oder meinen Kolleginnen zum Spaß eine Wette, welcher parkende Mann oder Passant gleich hinter der Gittertür verschwindet. Meine Gedanken schweiften aber nicht nur wegen Amore von meiner eigentlichen Arbeit ab. Als gegenüber in einem verwaisten Laden ein Shisha-Shop einzog, kam auch Leben in unsere kleine Straße, die nicht gerade durch Schönheit besticht. Von nun an hielten junge Kerle mit klapprigen Autos aber auch mit teuren Schlitten zweite Reihe. Wieder ließ ich mich dazu hinreißen, meine Gedanken von der Arbeit abzuwenden und auf der Straße zu verlieren. Milieu-Studien par excellence ergaben sich hier. Breitbeinig wird noch mal alles zurechtgerückt, bevor Mann manchmal mit posierender Perle an der Seite den Laden auf der gegenüberliegenden Straßenseite betritt. …

Ciclovía – Bogotá mit Rad erkunden

Das Angebot von Juvenal können wir nicht ausschlagen, auch wenn wir an unserem letzten Tag in Bogotá lieber ausschlafen würden. Doch es ist Sonntag – das ist der Tag, an dem in Kolumbiens Hauptstadt Radfahrer, Läufer und Skater die Straßen erobern. Denn dann ist Ciclovía und die hat Tradition. Sie ist genauso alt wie ich – Jahrgang 76. Aus einem Studentenprotest auf Rädern, der auf mehr öffentlichen Raum in der Metropole abzielte, wurde schnell Realität – und dies nicht nur in Kolumbien, sondern auch in Quito, Mexico Stadt oder Paris. Verkäufer mit Snacks und Fahrradmechaniker säumen die Straßen. In den Parks wird gepicknickt und kostenlose Aerobic-Klassen ergänzen das sonntägliche Sportprogramm. Sonntags in Bogotá – Radfahrer ist King Von 7 bis 14 Uhr sind zahlreiche Straßen in Bogotá gesperrt, um mit Familien, Freunden, Hund oder allein sportlichen Aktivitäten nachzukommen oder sich einfach nur zu bewegen, wo sich sonst eine Auto- und Buslawine durchschiebt. Mehr als 120 km werden jede Woche auf`s Neue für wenige Stunden zu einem offiziellen Radweg, auf dem auch Skater und Läufer unterwegs sind. Zwischen 1 bis zu 4 …

Meine 13 Naturparadiese

Es ist vor allem die Natur, die mich auf Reisen reizt. Von üppigen Regenwäldern über weite Steppenlandschaften bis zu kargen Wüsten hat die Welt doch so viel zu bieten. Lebensraum, der teilweise immer mehr schwindet, weil wir ihn erschließen. Und doch gibt es so viel Leben – unentdeckte Arten verbergen sich im Schatten unseres Blickfeldes. Als ich kürzlich den Bildband Die letzten Naturparadiese in der Hand hielt, fragte ich mich, wo die persönlichen Naturparadiese meiner Reisen liegen. Und muss doch feststellen, dass viele der dargestellten Orte deckungsgleich zu meiner Auswahl sind: die Regenwälder Amazoniens, die bunte Unterwasserwelt der Karibik, die schneebedeckten Andengipfel, das karge Hochland Äthiopiens, der mächtige Kaukasus, das quicklebendig Donaudelta oder der tiefe Baikalsee. Wo der Bildband 35 Regionen vorstellt, die der WWF als Hotspots der Artenvielfalt identifiziert hat, habe ich die Orte gesucht, die mich in den letzten Jahren landschaftlich besonders fasziniert haben. Jeder Ort ist auf seine Weise schön. Das landschaftliche und natürliche Tafelsilber der Erde liegt überall, man muss es nur entdecken und zu schätzen lernen. {1} Baikalsee Der Baikalsee ist mit seinen 1642 Metern nicht nur der tiefste und mit seinen mehr als 25 Millionen Jahren …

Lanzarote – die Musts & Mights

58 km von Nord nach Süd, 34 km von Ost nach West – das sind die Entfernungen auf Lanzarote. Nicht gerade groß, mag man meinen. Gibt’s außer Strand und Vulkane eigentlich sonst noch etwas? Ja, und zwar eine ganze Menge. Neben den Jedermann-Highlights, die man auch auf Landgängen der Kreuzfahrtschiffen besucht, gibt es noch so viele Orte, die ein anderes Gesicht von Lanzarote zeigen. Lanzarote für jedermann: Die Hotspots Feuerberge Die karge Kraterlandschaft der Feuerberge, die einer Steinwüste gleicht, ist Folge schwerer Vulkanausbrüche im 18. Jahrhundert, die viele Ortschaften unter ihre Lavaströme begruben. Dazu zählt auch Timanfaya, nach dem der heutige Nationalpark benannt wurde. Wo einst fruchtbares Land war, fahren heute Touristen zu den Klängen von Strauss, Mozart und Co. auf der 14 km langen Ruta de los Volcanes durch eine Mondlandschaft mit Kratern, Lavatunneln und Schloten. Aussteigen ist auf der Route strengstens verboten, um den Nationalpark vor menschlichen Eingriffen zu schützen und die Besucher vielleicht auch vor sich selbst. Somit lassen sie ihre Autos auf einem Parkplatz zurück – denn die Durchfahrt auf dieser Straße ist nur …

puriy-reiseblog-berliner-siedlung-müritz-deutschland

Lost Places – Weiße Häuser in Mecklenburg

Es ist ein grauer Herbsttag, an dem ich durch die Wälder Mecklenburgs streife. Immer wieder stolpert man hier nicht nur über Geäst und Pilze, auch Ruinen längst vergangener Zeiten sind manchmal dabei. Als ich das letzte Mal auf einer Radtour Rechlin durchquerte, fiel mir am Ortsausgang ein zerfallenes Gebäude auf. Dieses faszinierte mich so sehr, dass ich wieder zuhause angekommen mehr über Rechlin und seine Vergangenheit herausfinden wollte. Dabei fiel immer wieder meine Aufmerksamkeit auf die „Weißen Häuser“, die wohl versteckt im Wald zwischen Mirow und Rechlin liegen sollten. Über die genaue Lage findet man nur wenige Anhaltspunkte. Immer wieder öffnen sich als erstes seltsame Foren mit einschlägiger Gesinnung, auf die ich keinen Mausklick setzen wollte. Und so suchte ich selbst meinen Weg an diesem Sonntag zwischen Granzin, Teerofen und Qualzow – mitten im dichten Nadelwald, durch dessen Dach die schwachen Sonnenstrahlen nur noch wenig Licht zu schicken vermochten. Mich fröstelte es nicht nur angesichts der Temperaturen, sondern auch die Schilder in der Umgebung ermutigten mich nicht gerade dazu, diese vergessenen weißen Häuser aufzusuchen – denn diese mahnten zur Vorsicht …

Trinidad, Kuba

Süßes Trinidad – eine Zeitreise in die Vergangenheit Kubas

Das Hufklappern der Pferdekutschen auf dem Kopfsteinpflaster gibt in den engen Gassen von Trinidad den Takt an. Hinter den farbenfrohen Häuserfassaden liegen üppig begrünte Patios, durch die Musik schallt. Überall auf den Straßen wird kräftig gemalert – das muss wohl an dem nahenden 500jährigen Stadtjubiläum liegen, das Trinidad zu neuem Glanz verhelfen soll. Doch benötigen die bröckelnden Fassaden gar nicht mal den neuen Anstrich – Trinidad lebt von dem Charme seiner Vergangenheit, der aus der Zeit des Zuckerbooms herrührt. Trinidad –Zwischen Palästen und schmetternden Rhythmen Prächtige Paläste und Villen, die im 18. und 19. Jahrhundert von Zuckerbaronen errichtet wurden und heute meist als Museum dienen, säumen den Plaza Mayor. Wir setzen uns auf eine schattige Bank zwischen Palmen und bronzene Windhunde nieder und beobachten die Passanten – eine Mischung aus Trinitarios und Reisegruppen schlendert über den Platz. An der Nordseite sticht die Iglesia Parroquial de la Santísima Trinidad ins Auge. Die einzige fünfschiffige Kirche Kubas muss ohne Turm auskommen, weil sich der Pfarrer einst mit dem Geld nach Spanien aus dem Staub gemacht hat. Wir …

Tiger Diego sucht Stube

Im Garten des Wildkatzenzentrums Felidae herrscht an diesem Dienstagmorgen eine ausgesprochene Ruhe. Kaum zu glauben, das sich hier heute ein besonderer Gast seinen Weg durch das feuchte Laub bahnt. Fast etwas unbeholfen und doch zugleich stolz und selbstsicher springt Diego durch die Mulden, versteckt sich hinter dem Gehölz, um dann Anlauf zu nehmen und mein Bein zu umschlingen. Fast wie meine Hauskatze, aber nur fast. Denn Diego, der hier heute schon einmal sein neues Zuhause erkundet, ist kein Stubentiger, sondern ein echter Tiger. Doch was macht ein Tiger in Brandenburg? Das fragt sich sicherlich auch Diego. Noch mit geschlossenen Augen gerade einmal 5 Tage alt wurde er am 13. August in einem Körbchen vor der Tierarztpraxis von Frau Dr. Doris Tesch gefunden. Ausgezehrt, dehydriert und mit Nierenversagen ging es hier ums Überleben. Dank einer intensiven Behandlung mit Infusion und Aufenthalt in einer Sauerstoffbox kam Tiger Diego wieder zu Kräften. Doch wo sollte er von nun an leben? Was jetzt noch süß und klein anmutet, wird bald ein ausgewachsener Tiger sein, der ca. 250 kg auf …

Arrecife, wo Lanzarote Downtown ist

Dort, wo das tiefblaue Wasser des Atlantiks auf den hellblauen Himmel trifft, zieht sich wie an einem Faden auf der scharfen Linie die Aida majestätisch gen Südwesten entlang und nimmt Kurs auf Fuerteventura. Hinter mir stehen ordentlich aufgereiht blau-weiße Liegestühle im hellen Sand. Ein paar Touristen genießen die nicht mehr ganz so stechende Abendsonne und den Blick auf das Meer, wo sich kleine Segelboote und Stand-Up-Paddler tummeln. Von der Mole hängen Angelschnüre lasch ins Wasser. Es ist der Blickwinkel, der das Gefühl bestimmt, das Gefühl von Arrecife. Das Wechselspiel von Arrecife Wer eine schöne Altstadt sucht, ist hier falsch. Kaum erblickt man ein paar hergerichtete, restaurierte Fassaden, folgt schon eine Bausünde. Das Schöne ist, dass diese Sünden nur klein sind, da die Häuser dank  César Manrique ein-, zwei-, maximal dreigeschossig gebaut sind, und nur das Gran Hotel aus dem Stadtbild oder gar Inselbild durch seine Größe heraussticht.  Kein Gebäude sollte höher als eine  ausgewachsene Palme gebaut werden. Selbst der Hausstrand entpuppt sich als nicht perfekt – mal ist Ebbe, mal balanciert man über einem steinigen Boden durch das Wasser. Trotzdem oder …