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Afrika – eine kleine Kur für die Seele

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Interview mit Isis Neuerbourg

Welches afrikanische Land hat Dich besonders begeistert und weshalb?
Durch ein sechsmonatiges soziales Praktikum in Südafrika kam ich das erste Mal dazu das südliche Afrika zu bereisen. Der erste kurze Trip ging nach Lesotho, danach folgten Namibia, Botswana und der Süden von Sambia – und natürlich Südafrika in seiner ganzen Schönheit. Doch besonders begeistert hat mich Namibia, wobei das Wort ‚begeistert‘ noch zu wenig ist! Es ist die Weite und die Landschaft aus einer anderen Welt, die mich mehr als nachhaltig beeindruckt hat. Dazu gehören natürlich die Dünen der Namib und das Dead  Vlei. Auf einer Düne dort die Sonne aufgehen zu sehen und wie sich mit jeder Sekunde ein neues Farbspektrum ergibt, gehört zu meinen schönsten Reiseerinnerungen. Die Dünen und das Vlei durfte ich zweimal bereisen, genauso wie den Etosha-Nationalpark. Den namibischen Sommer und den namibischen Winter im Etosha zu erleben und die Tiere und die Landschaft unter dem Einfluss der Jahreszeiten zu sehen, war dazu auch ein Traum. Teilweise habe ich die Landschaft für eine andere gehalten, obwohl sich „nur“ die Jahreszeit geändert hat.

Siehst Du Unterschiede zum Reisen in Afrika verglichen zu Reisen auf anderen Kontinenten?
Gerade im Vergleich zu Europa sind es die Kilometer, die bei Reisen zurückzulegen sind. Alleine Namibia ist beispielsweise zweieinhalb Mal so groß wie Deutschland. Auch sind die Straßenverhältnisse sehr unterschiedlich, wobei das natürlich auch in anderen Regionen der Welt der Fall ist wie beispielsweise Neuseeland. Trotz der immensen Weite leben viele unterschiedliche Kulturen nah beieinander. Es gibt nicht ein Afrika sowie es beispielsweise nicht „ein“ Südafrika gibt. Natürlich hat auch jede Region in Deutschland eigene kulturelle Güter, doch habe ich in Südafrika zum Beispiel die Unterschiede als weitaus größer empfunden– alleine schon sprachlich. Viele traumhafte Erfahrungen und Begegnungen der unterschiedlichsten Art warten dadurch auf den Reisenden. Zudem geht alles sehr gelassen zu. Als ich nach über sechs Monaten wieder zurück in Deutschland war, sind andere Passanten beinah ständig in mich reingelaufen, da ich die ruhigere und langsamere Gangart aus Südafrika übernommen hatte. Auch an Ampeln steht man auf einmal seelenruhig und man hat ganz viel innere Zeit bis die Ampel auf grün schaltet.

Welches afrikanische Land würdest Du jemandem empfehlen und weshalb?
Südafrika ist touristisch gut erschlossen und auch aufgrund der guten  Backpacker-Struktur ist Südafrika ein wunderbares Einstiegsland. Die unterschiedlichen Regionen sind gut erreichbar, sei es mit dem Mietauto, Überlandbussen oder dem Baz Bus (Hop-on Hop-Off Bus). Und durch die Vielfältigkeit (Metropolen, Strand, Tiere, Berge etc.) hat man von allem etwas: in den Drakensbergen wandern, Tiere beobachten im Krüger Nationalpark, ein Seafoodplatter an der Waterfront im quirligen Kapstadt verspeisen, Wale bei Durban oder Hermanus beobachten und natürlich entlang der Garden Route einfach die Seele baumeln lassen…

Nimmt man Südafrika also als Einstiegsland bietet es zudem den perfekten Ausgangspunkt weitere Länder im südlichen Afrika zu bereisen. Von Kapstadt bietet es sich an nach Namibia zu fahren. Im Süden Namibia wartet dann schon der Fish River Canyon und nordöstlich von Keetmanshoop die Köcherbäume auf einen. Danach geht es über die Dünen in den Etosha-Nationalpark. Ist man schon mal dort, einfach einen Abstecher ins Okavango-Delta wagen und danach weiter zu den Viktoriafällen. Das ist eine wunderbare Route für die man sich ca. drei bis vier Wochen Zeit nehmen sollte bzw. muss. Wer also das Glück hat längere Reisen unternehmen zu können, möchte ich gerne das südwestliche Afrika in seiner Gänze ans Herz legen. Hat man weniger Zeit, denke ich, dass zwei Wochen Südafrika einen traumhaften Einblick geben. Man kommt eh wieder!

Was empfiehlst Du jemandem, der eine Reise nach Afrika plant?
Sich gut über Impfungen und Malaria-Prophylaxe informieren. Auf jeden Fall sollte man sich gegen Hepatitis impfen lassen. Die Malaria-Gebiete sind ganz unterschiedlich verteilt. Zum Beispiel gehört der Krüger-National-Park auch dazu. Wenn es geht, sollte man vorher wissen, wie lange man sich in einem Malaria-Gebiet aufhält, um die richtige und für einen passende Prophylaxe zu wählen. Sollte man sich für ein Mietauto entscheiden, reicht in Südafrika beispielsweise eigentlich ein einfacher PKW. In Namibia oder im Okavango Delta ist jedoch ein Allrad die bessere Wahl, dadurch kann man eigenständig weniger erschlossene Gebiete oder Teile der Nationalparks befahren. Selbst von A nach B ist ein Allrad teilweise sehr ratsam, gerade wenn man in das „grüne“ Afrika vordringt. Mit einem Allrad steigen aber natürlich auch die Kosten. Ansonsten Lust pur an Landschaft (die einem den Atem raubt), Natur, Tieren und den Menschen, denen man dort begegnet. In Afrika hat man die Chance zur Ruhe zu kommen. Afrika ist für mich eine kleine Kur für die Seele. Wobei wir bei der nächsten Frage wären.

Afrika ist für mich….
Gelassenheit, Ruhe und erfüllende Weite.

Namibia

Namibia

Isis‘ Reisen im Überblick:

  • 2004 Südafrika, Lesotho, Swaziland, Namibia, Botswana (ca. 7 Monate mit vielen Reisen)
  • 2007 Südafrika, Namibia, Botswana (ca. 1 Monat pure Reise)
  • 2014 hoffentlich Äthiopien, denn ich war zuuuuu lange nicht mehr in Afrika!
  • Ich bin ganz unterschiedlich gereist, denn im südlichen Afrika ist fast alles möglich. Nach Lesotho sind wir zu dritt mit einem Mietauto gefahren inklusive einer Panne direkt hinter Johannesburg. Auch der 2000 Meter Pass in Lesotho war für das kleine Auto kein Zuckerschlecken. Nach Namibia und Botswana bin ich das erste Mal mit Überlandbussen gereist. In Namibia haben wir dann vor Ort eine Gruppenreise vom Backpacker aus gestartet. In Botswana hingegen ging es mit öffentlichen Bussen weiter. Eine Camping-Gruppenreise habe ich auch am Ende in Südafrika gemacht. Kann ich nur empfehlen. Ansonsten bieten sich dort auch die Überlandbusse oder der Baz Bus. Bei größeren Distanzen kann man aber auch im südlichen Afrika gut auf kleine Fluggesellschaften zurückgreifen. Beispielsweise bin ich von Livingston, Sambia nach Johannesburg, Südafrika zurückgeflogen.
  • Ich bin alleine nach Südafrika losgereist, bin es aber nicht lange geblieben. Durch mein längeres Praktikum dort, bin ich viel mit anderen Volunteers gereist und Freunde kamen zu Besuch. Doch ganz unabhängig davon bin ich dort schnell auf weitere Reisende aus aller Welt oder reisebegeisterte Einheimische getroffen. Gerade wenn man einmal unterwegs ist, sind Backpacker wahre „Zusammenführungsbörsen“. Oft waren wir zu zweit oder zu dritt unterwegs. Auch für Tagesausflüge fanden wir oft wunderbare Gesellschaft in anderen Backpackern. Und bei den mehreren Gruppenreisen, die ich dort gemacht habe, waren wir meist zu acht. Ich fühle mich bei Gruppenreisen einfach sehr wohl. Tagsüber unglaubliche Dinge gemeinsam erleben, dann das Camp für die Nacht gemeinsam aufbauen und kochen und danach bis spät in die Nacht am Lagerfeuer sitzen, bis doch das Zelt nach einem ruft…An alle Menschen, die ich während meiner Reisen getroffen habe: Danke! Und danke Afrika!
Isis beim Sonnenaufgang in Namibia

Isis beim Sonnenaufgang in Namibia

Isis hat übrigens das Glück, privates Interesse mit Beruflichem zu verbinden und schreibt über Reisen auf Parkvogel.

Zur Reihe „Warum eigentlich nicht Afrika?“:
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Interview mit Antje Gerstenecker von Mee(h)rErleben:  Zum Interview!
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4 Kommentare

  1. Danke für dieses Interview zum Thema „Reise nach Afrika“ mit den darin enthaltenen wichtigen Informationen für eine Afrika-Reise. Auch die Bilder üben ihre eigenen Reize aus.
    Weiterhin alles Gute und viel Erfolg!
    Walter Bracun

  2. Ein sehr guter „Einstiegstext“ für diesen wunderbaren Kontinent. Besonders gut hat mir der Satz „Es gibt nicht ein Afrika sowie es beispielsweise nicht „ein“ Südafrika gibt.“ gefallen – viel zu häufig wird (auch gerade in den Medien) Afrika pauschaliert, wie wir es ja gerade bei der Ebola-Krise merken.

    • Danke, liebe Daniela. Du sprichst mir aus der Seele 😉 Diese Pauschalisierung und Unkenntnis über diesen großen und schönen Kontinent nervt mich auch sehr. LG, Madlen

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