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Volkswagen an der Wand in Siebenbürgen {DIARY}

„Volkswagen an der Wand“ sind die einzigen deutschen Wörter der Nachbarin unseres Gastgebers, die morgens mal bei uns vorbeischaut und mit uns Konversation auf Englisch betreibt. Man müsste ihr entgegnen „Dacia im Graben“ oder „Dacia auf anderem Dacia“, um die Straßensituation richtig zu beschreiben.  Solch brenzlige Situationen erlebten wir unter höchster Anspannung bei 30 Grad Hitze auch heute wieder mehrfach, aber noch sind wir guter Dinge. Als Abschiedsgeschenk hinterlassen wir unserem Gastgeber, dessen Frau gerade im Urlaub an der Küste verweilt, und er nun einmal als Boss des Vermietungsbusiness agieren darf, eine Milch. Die Nachbarin lacht sich kaputt und klärt uns auf „He has a cow.“. Naja, in Deutschland hat ja nicht jeder auf dem Land eine Kuh drei Hügel weiter stehen. Der Vermieter mustert interessiert die Flasche und will sie gern behalten. Wird er wirklich das erste Mal eine Fertigmilch trinken? Wir verabschieden uns aus dem idyllischen Tal und fahren über den angesagten Skiort Poiana Brasov nach Brasov. Zahlreiche Rennradfahrer sind unterwegs. Bei so viel Sportler auf der Straße muss ich aufpassen, dass wir …

Die Suche nach eindeutigen Wegen in Siebenbürgen {DIARY}

Aufbruchstimmung gen Norden nach Siebenbürgen. Noch langsam ein hausgemachtes Villa-Frühstück einnehmen, bevor wir uns auf die vermeintlich kurze Strecke nach Brasov begeben. Der Ort Sinaia hat es noch heute genauso in sich wie am gestrigen Tag. So suchen wir eine kleine Weile den Ausgang auf die E 60. Als Schnellstraße rühmt sich diese heute keineswegs, denn zweispurig schlängelt sie sich durch die Täler und die zahlreichen langgezogenen Ortschaften, die mit zig Zebrastreifen ausgestattet wurden. Ist man einmal nicht gerade in eine der vielen Ortschaften, die ohnehin nahtlos ineinander übergehen, wird schnell überholt, egal ob Gegenverkehr oder nicht. Dumm nur, wenn man selbst der nicht beachtete Gegenverkehr ist. Die ganze restliche Fahrt wird dann zu einer Qual. Brasov kündigt sich schließlich durch ein kurzes Stück Schnellstraße an, nur um dann wieder zweispurig in einem Industrievorort zu enden. Transit ist das Schlagwort, das uns um den Ort befördern soll. Doch wohin transitieren wir denn eigentlich? Die Kirchenburg von Pejmer liegt verschlafen östlich von Brasov. Als Highlight erwartet, sucht man die Touristenscharen vergebens. Gut für uns. Inmitten der …

Sinaia und Vorsicht Bären! {DIARY}

Geschlafen für eins, gegessen für zwei. Nach der Problembewältigung, die gestrige Nacht offiziell in einem Einzelzimmer verbracht zu haben und nun auch nur ein einzelnes Frühstück bekommen zu dürfen,  starten wir mit unserer Reise ins tiefe Herzen Rumäniens. Schnell den Mietwagen abgeholt – ein upgegradeter Corsa, wenngleich ich nicht weiss, wo bei einem Corsa noch ein upgrade passieren kann – geht es nun raus aus der über 2 Millionen Einwohnerstadt. Trostlose osteuropäische Plattenbauten findet man auf dem Weg gen Norden so wenig wie im Berliner Grunewald.  Dafür sind hier die Villen noch prächtiger. War ich gestern bereits fasziniert vom stilistischen Mix, bin ich es heute noch mehr. Türmchenbauten mit Holzeinsätzen – wie aus einem Märchen entsprungen. Verwunschen schön. Die Schnellstraße dient nicht nur Autos zum schnell fahren – sondern auch Pferdekutschen und diversen Radfahrern. Und immer wieder passieren wir Stände mit Melonen, Auberginen, Pfirsichen – die manchmal gleich aus dem geöffneten Kofferraum heraus verkauft werden. Das ungarische Pustagefühl überkommt mich… bis Ploiesti. Der Ende meines Wohlgefühls trägt diesen Namen. Wir lassen diese Stadt rechts liegen. …

Limonada mit Honig {DIARY}

Der Flug mit Germanwings hebt verspätet ab. Besser kann es der Pilot nicht ausdrücken. Wir werden trotzdem pünktlich landen und vor allem wird uns das Wetter entschädigen. Denn genauso wie wir die Berliner Wolkendecke morgens im Regen durchbrechen, fallen wir zwei Stunden später in ein wahres Sonnenloch. Bukarest, 13 Uhr, über 34 Grad und die Jeans klebt schon bei den ersten Schritten auf rumänischem Boden. Ich will mich nicht beschweren. Das Wetter nimmt schon meine gewohnten lateinamerikanischen Züge an und heißt mich im Urlaub willkommen. Weggeblasen ist der trübe deutsche Sommer, weggeblasen unser verregneter letzter Kurztrip nach Stockholm. Baneasa ist das Gegenteil von Stockholm und so ziemlich das, was man sich sonst so als lateinamerikanischen Flughafen vorstellt. Ein kleines Gebäude aus Cheauscescus Zeiten ist der Hafen unserer Ankunft. Mit einem Fassungsvermögen von gerade einmal einer Maschine, muss die Kontrolle die Schlange schnell abfertigen, um den Mittelpunkt der Überfrachtung an das einzige superkurze Gepäckband zu verlagern. Größe ist hier alles, sonst hat man verloren. So kommt es in der Hektik und Unübersichtlichkeit doch schon einmal vor, …

Der städtische Tourist

T-Centralen heißt die Endstation unserer trostlosen Reise nach Stockholm. Weshalb ein 100 Kilometer entfernter Flughafen überhaupt die Berechtigung hat, Flughafen Stockholm zu heißen, ist mir ein Rätsel. Nach 90 Minuten sind wir im Stadtzentrum. Wohin nun? So sehen wir uns in alle Richtungen um, um ein Zeichen für die Metro zu suchen. Doch die Tunnelbahn ist weit und breit nicht zu sehen. Und in diesem Moment unserer Ahnungslosigkeit passt uns gleich ein überaus freundlicher, älterer Schwede ab. Ob er uns helfen könne, fragt er. Wir sagen ja. Wir suchen nämlich ein Nahverkehrsmittel. Oh ja, ohne weiterzufragen erklärt er im freundlichsten Stakkato, wo sich die schwedische Tunnelbahn befindet, nämlich auf der gegenüberliegenden Straßenseite unter dem Bahnhof. Also wir müssten runtergehen, denn unter dem Bahnhof ist noch ein Bahnhof, der Tunnelbahnbahnhof. Das sei vielleicht etwas ungewöhnlich, wir müssten nur Ausschau nach einem T halten, eben für Tunnelbahn. Hier in Stockholm gibt es eben einen normalen Bahnhof und einen für Tunnelbahnen. Naja, by the way interessiert nach langen ungläubigen Blicken unsererseits den netten Schweden, woher wir denn kämen. …

Schönheit ist anders

Wir verlassen Berlin im morgendlichen Sonnenschein. Ist es Zufall, dass auch die Sonne an Landesgrenzen Halt macht? Oder warum sonst ist der Strand von Juliusruh (Rügen) das letzte, was ich zu sehen bekomme, bevor sich eine dicke Wolkendecke vor mein Flugzeugfenster schiebt und für die nächsten 3 Tage nicht mehr aus meinem Blickfeld weichen wird. Wenigstens schnell ist man im kühlen Norden. Aber nicht so schnell, um die Wolkendecke zu überwinden. Die Landung ist eine reine Schlitterpartie, bei der so manch eine Wimpertusche schon einmal ins Rutschen kommt. Als ich nach der Landung die Damentoilette aufsuche, bildet sich zu meiner Verwunderung keine Schlange vor den Toilettentüren, sondern vor der Waschmeile. Nicht dass die Schwedinnen äußerst reinlich sind und alle ihre Hände säubern wollen. Vielmehr soll das bei der Landung verrutschte oder morgendlich noch nicht vollbrachte Werk eines super durchgestylten Egos vollendet werden. Kann man in Berlin ohne Zögern sein Understatement auch in fehlender Schminke zeigen, so gehört zum schwedischen Understatement schon vielmehr an Wenig, was aufgetragen wird. Man will nichts vertuschen und muss doch zur …

San Antonio de Areco

Gaucho City

Um 6 Uhr halte ich es nicht mehr aus, will die frische Luft in unser Zimmer lassen, reiße die Balkontür auf, um den Vögeln und Grillen zu lauschen. Obwohl mir Schlaf noch gut täte, kann ich nicht mehr schlafen, nur ruhen. Es gibt positive Geräusche, die sich nicht in Lärm steigern lassen, und genau diesen lausche ich nun. Ein ausgiebiges Frühstück am Küchentisch der Gastgeberin rundet den perfekten Morgen ab. Wie gern hätte ich öfter solche Morgen erlebt. Wir schaukeln uns nach dem Früstück in der Hängematte in den Tag. Nur ein Pool würde das Ambiente noch perfektionieren, denn die Temperaturen steigen bereits unentwegt. Wir ganz europäisch, machen uns in der größten Hitze auf den Weg zum Plaza von San Antonio de Areco, zum Rio. Die Straßen sind wie zu erwarten leergefegt. Nichts Neues. Aber am Fluss tut sich etwas, kündigt sich das Wochenende bereits an. Mit Autos sind sie vorgefahren, wie bereits in Rosario zu beobachten war. Direkt bis ans Ufer bringen sie diese lärmenden Höllendinger. Und was sollte man bei einer solchen Hitze …

San Antonio de Areco

Der 35 Dollar-Tag oder wie steigert man Lärm? {DIARY}

Wir sind den Rückweg nach Argentinien angetreten. Kaum hat man zwei unbekümmerte, erholsame Tage hinter sich, in denen die einzige Sorge war, wie man die hohen Preise überlistet und sein Budget nicht überschreitet, wird in einem Moment alles zerschlagen. Die Unbekümmertheit ist dahin, die Erholung sowieso und das Budget wieder im Arsch. Und nichts, aber auch gar nichts erinnert an das zufriedene Gefühl, das ich vor 8 Monaten verspürte, als ich den Rio de la Plata in Richtung Buenos Aires überquerte. Nach meiner dreimonatigen Reise hatte ich Uruguay genossen, fand die Leute sehr entspannt und auch die Preise empfand ich nicht allzu hoch. Damals war man mir wohl wohlgesonnener als heute. Denn heute war mein spezieller 35 Dollar-Tag. Ich weiss, es ist ganz allein meine Schuld, und vielleicht ärgere ich mich deshalb auch um so mehr darüber. Aber diese Szene fügt sich schmiegsam in das ganze Bild dieses Urlaubs ein. Es zerstört kein idyllisches Bild, das bisher aufgebaut wäre. Nein, es passt in das ganze Chaos dieses Urlaubs. Und jede kleine Unvorsichtigkeit oder Unkonzentriertheit wird …

Sonnentag

Welch eine Wohltat. Die Sonne scheint. Nur ein Tag Regen versetzt einen in das pure Entzücken über den ungebrochenen Sonnenschein. Frühstücken im Hof von Teresa. Dann gibt uns ihr Mann ein kleines Geheimnis preis. Im gegenüberliegenden Gebäude auf ihrem Grundstück befindet sich nicht des Sohnes Zimmer, wie wir es vermuteten, sondern ein teures Tonstudio mit vollem Equipment. Alles, was das Rockerherz begehrt. Teresas Mann war 20 Jahre auf der anderen Seite des Flusses Producer und versucht sich nun in Colonia. Nach der kleinen Hausführung wollen wir an den Strand. Real de San Carlos heißt unser auserkorenes Ziel in 5 km Entfernung. Man kann es erlaufen oder aber mit Rad erreichen. Wir entscheiden uns für Letzteres. Ein Anruf von Teresa und 30 Minuten später erscheint ein Mann mit zwei Fahrradkrücken für je 5 USD. Ein viel zu kleines Damenrad mit nicht funktionierenden Bremsen soll wohl für mich bestimmt sein, ein Herrenrad mit ebenso nicht funktionierenden Bremsen wohl für meinen Reisebegleiter. Wir tauschen die Rollen und so düse ich mit dem Herrenrad und Lars mit dem Damenrad …

Regentag

Über Nacht mußte der strahlend blaue Himmel von gestern einer grauen Wolkendecke weichen, aus der es nun seit Stunden unaufhörlich schüttet während ein immer wiederkehrendes Gewitter grollt. Wir könnten schlechter festsitzen, als in Teresas Frühstücksbereich, in dem auch ein etwas veralteter aber immerhin langsam funktionierender PC steht. Wir kommen nicht mehr zurück in unser Zimmer, ohne komplett durchgeweicht zu werden. Wir merken ziemlich schnell, unser geplanter Strandtag fällt ins Wasser. Es ist schon seltsam, da regnet es auf unserer Reise nie bzw. wenn es kleine Regenschauer gibt, dann sitzen wir im Bus. Und dann erreicht man das Meer oder das Quasi-Meer, denn es handelt sich beim Rio de la Plata ja um einen sehr breiten Fluss, um eine Mündung, die aber durch ihre Sandtstrände auch den Charme eines Meeres versprüht, und genau dann regnet es in Strömen bis ziemlich genau 17 Uhr. Wir kommen zur Ruhe, das ist sicher. Wir lesen viel. Doch wenn man nur ein bisschen an Ruhe denkt, kommt es knüppelhart und so erreichte uns an diesem tristen Tag die Nachricht eines …