Alle Artikel in: Allgemein

Am Päijänne-See

Ein Hauch finnischer Sommer – mein Mökki am Päijänne-See

„Observe!“ Ruhig klingen die Worte von Kirsi in der Stille des finnischen Nadelwaldes. Wir haben uns auf einer kleinen Lichtung zwischen den Baumstämmen verteilt. Die Füße sinken in den moosigen Boden und nehmen jede kleine Bewegung wahr, die sich aus dem leichten Zucken des eigenen Körpers ergibt. Mit geschlossenen Augen lausche ich dem Rauschen der Wipfel, das wie eine intensive Melodie in die Ruhe tritt und vom gelegentlichen Vogelgezwitscher begleitet wird. Fast werde ich selbst zum Baumstamm, lasse die Gedanken los und versuche dem Kitzeln der Mücken auf meinen freien Körperstellen zu widerstehen. Sinne schärfen und Festgefahrenes loslassen – man könnte diesen Übungen überall nachgehen, und doch fällt diese Art von Meditation hier besonders einfach. Weil Finnland einfach viel Raum bietet – lokal und mental. Entspannen am Päijänne-See – wildes Finnland Als wir entspannt durch den Wald spazieren, sammeln wir die saftigen Himbeeren, Preiselbeeren und Heidelbeeren von den Büschen. Das Essen liegt hier am Wegesrand. Aus den unzähligen kleinen Mooshügeln, die den Waldboden prägen, wachsen Pilze. Die Finnen sammeln jetzt das, was die Natur hergibt, …

Kaserne Vogelsang

Lost Place Vogelsang oder lost in Brandenburg

Ein erneuter Ausflug zu den Heilstätten Beelitz hat mich kürzlich wieder auf den Geschmack der Lost Places in Brandenburg gebracht. Orte, die sich die Natur langsam wieder zurückerobert. Orte, die man mit einem erhöhten Pulsschlag betritt, wenn das angebrochene Parkett oder die kaputten Dielen unter den Füßen vibrieren, Putz von den Wänden bröckelt und nur das Vogelzwitschern durch die längst gebrochenen Scheiben in das Innere der Gebäude dringen. Häuser, die überwuchern. Dächer, die eingebrochen sind. Mauern, auf denen Bäume und Gras wächst. Und dann ist da der einzige Farbklecks, der in den letzten Jahren hinzugefügt wurde – Graffitis. Wir sind in Vogelsang.      Anreise nach Vogelsang Man erreicht das Gelände von verschiedenen Seiten. Wir haben ein Stück hinter dem Bahnhof unser Auto abgestellt. Dienlich war diese Karte vom Grundstück. Hier überquerten wir die Schienen und kommen schnell auf einen Weg, der an einer alten, längst eingefallenen Schranke an den Schienen endet. Andere parkende Autos (vornehmlich mit B-Kennzeichen) weisen übrigens darauf hin, das man mit Sicherheit nicht allein ist. Wir liefen ca. 3km durch den Wald auf …

Isalo NP

Isalo Nationalpark – ein Fels in der Savanne

Bald lassen wir das Hochland hinter uns. Die Felslandschaften gehen in Grassavannen über, die in der Regenzeit mit einem kräftigen Grün überzogen sind. Hinter Ihosy schraubt sich die RN7 auf das Plateau von Horombe hinauf. Eintönige Graslandschaften ziehen sich bis zum Horizont hin. Menschen sieht man kaum. Zebuherden der Baras weiden hier. Nach vier Stunden taucht am Horizont eine Felslandschaft auf, vor der ein Regenschauer niedergeht. Isalo sage ich mir. Nur wenige Stunden später finde ich mich auf einem Klappstuhl vor der Felsformation wieder. Über mir leuchtet ein Sternenhimmel, wie ich ihn nur von unbewohnten Wüsten und Urwaldgebieten kenne. Sternschnuppen fallen vom Himmel, während am Horizont zwischen den Felsen Blitze zucken. Klagende Gesänge der ringelschwänzigen Kattas begleiten dieses energiegeladene Spektakel der Natur. Der Wind fühlt sich angenehm kühl auf der Haut an, ohne ein Frösteln hervorzurufen. Wir sind allein auf dem Gelände der Isalo Ranch. Wieder sind wir die einzigen Touristen. Doch in diesem Setting würden Stimmen auch nur stören. Wanderung im Isalo NP Am nächsten Morgen fahren wir zurück ins Dorf Ranohira. Im Büro …

Paphos

Warum ein Besuch der Europäischen Kulturhauptstadt 2017 Paphos lohnt

Liegen verteilen sich großflächig um zwei Pools in der Palmen gesäumten Gartenanlage des Almyra Hotels. Die Meeresoberfläche, auf der Jetskis aufgeschäumte Spuren hinterlassen, glitzert im Sonnenlicht. Man kann diese neben Katamarane hier mieten. Parallel zum Ufer ragen Wellenbrecher aus dem Wasser und stoppen in stürmischen Zeiten die aufgewühlte See, die heute ruhig und glasklar vor mir liegt. Auch wenn ich den Sandstrand vermisse, hat die Stadt doch für ausreichend Wiesenflächen zum Sonnen gesorgt, die vor den Gebäuden bis zur mittelalterlichen Burg direkt am Hafen hinüberreicht. Zudem hindert sie Hotels durch Gesetze daran, die Promenade mit Zäunen und Mauern zu versperren. Die Burg gilt als wichtigstes Wahrzeichen. Das Kastell hatten Osmanen 1592 wieder aufgebaut, nachdem es zuvor von den Venezianern aufgegeben und teilweise zerstört worden war. Heute finden hier im Sommer Konzerte und Aufführungen statt. Wir laufen hinüber, an Postkarten und Souvenirständen vorbei. Zwei- bis dreistöckige Häuser im mediterranen Weiß säumen den Weg, dahinter lugt in der Ferne die Leuchtturmspitze hervor. Ob unter oder über der Meeresfläche – Paphos steckt voller Geschichte. Säulen, Mosaike, Burg, unterirdische Grabstätten – das …

Snøhetta

Mein Aufstieg auf den Snøhetta – mein erster Schnee im Juli

„Ab Mittag gibt es ein Donnerwetter, daher sollten wir bis 12 Uhr auf dem Gipfel sein.“ Was Arne eher beiläufig fallen lässt, zeichnet mir Sorgenfalten ins Gesicht. Nicht, dass ich bezweifle, es bis Mittag auf den 2286 m hohen Snøhetta zu schaffen. Aber zuvor hatte Arne, unser Bergführer, bereits freudig erwähnt, dass es wohl auch Neuschnee auf dem Weg nach oben geben wird. „Da oben sind es Minusgrade – also zieht Euch warm an!“ Ich gehe gedanklich meine sieben Sachen im Koffer durch und bin mir nicht sicher, ob ich für diese Tour gerüstet bin. Aber ein wenig Vorfreude macht sich auch breit, denn ich bin noch nie im Juli durch Schnee gestapft.   Am Vorabend auf der Hütten Snøheim Turisthytte Doch noch sitzen wir im warmen Kaminzimmer der Snøheim Turisthytte, die an diesem Samstag komplett belegt ist. Um uns herum haben es sich sportliche, lässige Norweger gemütlich gemacht. Zwei junge Damen sitzen strickend auf der Eckbank und genießen einen Wein. Die Familien haben Brettspiele aufgebaut. Und draußen räumt eine Gruppe Jugendlicher Müllsäcke und Kisten voller Wanderbekleidung und Verpflegung vom …

Kirgistan

Abenteuer Kirgistan

Gelangweilt schleppt sich der graue Köter von dem Immigration-Häuschen hinüber zur Toilette, dann lässt er sich wieder plumpsen. Viel passiert hier oben nicht – zwischen Tadschikistan und Kirgistan. Längst haben wir uns ausgestempelt – sitzen nun im Niemandsland auf 4000 m Höhe. Der Kopf drückt, Müdigkeit macht sich breit. Und die Frage, warum wir heute Morgen so früh los mussten und an dem herrlich leuchtenden Karakulsee vorbeirauschten, anstatt für ein Foto zu stoppen. Nach zwei Stunden Warten kommt ein Bus vorbeigefahren. Amerikanische Touristen steigen aus und wechseln in unseren Geländewagen. Am härteste Grenzposten der Welt Endlich kann es losgehen – 20 km bzw. eine Stunde fahren wir auf ruckeliger Piste, spüren jeden harten Aufschlag und jede Vibration. Dann verlassen wir das Stück Erde, für das sich niemand verantwortlich fühlt – auch nicht hinsichtlich des Straßenbaus – und stempeln uns an einer der härtesten kontrollierten Grenzen der Welt ein. Kirgistan liegt auf der Drogenschmuggelroute und so wird das Fahrzeug gut durchsucht. Uns hingegen traut man weniger kriminelle Energie zu. Nur beim Fotografierverbot bleiben die Grenzbeamten hart. Nach …

Wenn Reisen eine Flucht ist

Reisen ist eine Droge, von der man schwer loskommt. Sie radiert einfach für einen Moment all die Dinge aus dem Gedächtnis aus, die uns bedrücken. Sie lässt uns vergessen. Sie kann aber auch heilen. Als ich meine Leidenschaft für andere Länder entdeckte, wusste ich nichts von dieser Wirkung. Ich war einmal im Jahr high, ohne es bewusst zu steuern. Ich tankte Kraft für den Alltag und öffnete den Blick, mit dem ich nach meiner Rückkehr sah, auf welch hohem Niveau sich unser Jammern abspielt. Doch seit dem vorletzten Jahr folge ich immer mehr dem Reflex, wenn es mir nicht gut geht, setze ich mich in den Flieger – weil ich es kann. Mit dem Ergebnis, dass die Droge nicht mehr wirkt. So wie jedes Medikament seine Wirkung verliert, wenn es im Dauereinsatz ist. Denn auf die Dosis kommt es an. Hinzu kommt, dass sie ein Stimmungsverstärker ist. Was bringt es mir, auszureisen, wenn mich am Ende doch alles einholt. Ich kann nicht vor mir selbst ausreisen und dem Ballast, den man mit sich trägt. Das …

Vancouver

Im Großstadtdschungel von Vancouver

Ich lehne mich weiter über die Reling, als könne ich damit die Skyline besonders schnell herbeizaubern. Links und rechts ziehen die Gulf Islands an mir vorbei. Wir sollten immer den Worten des Kapitäns lauschen, denn erst in der vergangenen Woche hat man von dieser Fähre aus Wale durch die Straße von Georgia ziehen sehen. Nichts Ungewöhnliches in manch anderer Jahreszeit, aber im April schon. Ich warte darauf, endlich einen Blick auf Vancouver zu erhaschen. Doch leider ist es recht diesig, die Sonne haben wir in Victoria zurückgelassen. Kein Wunder, dass Vancouver irgendwo im Dunst untergeht. Abtauchen im Großstadtdschungel von Vancouver Nur etwas mehr als eine Stunde später passiere ich die Cambie Bridge und bin mittendrin, mitten im Dschungel – im Großstadtdschungel. Meine erste Reaktion ist „oh je“. Warum um Gottes Willen schwärmt jeder von diesem uninspirierten Beton- und Glaswall, der aus einer einstigen kleinen Sägewerkssiedlung des 19. Jahrhunderts entstand? Ich bin erschlagen, überfordert und irgendwie enttäuscht. Das Grün liegt dahinter, versteckt. Nachdem Seattle mächtig vorgelegt hatte, konnte Vancouver bei diesem Wetter nur verlieren. Obwohl für …

Go West – auf der Avenue of the Baobabs und zwischen Lemuren

Auf der Straße ist viel los. Anstatt Autos und LKWs sind es jedoch Fußgänger, die morgens um 7 Uhr auf der Hauptachse Madgaskars, dem Highway Nummer RN 7, unterwegs sind. Der Weg schmiegt sich an die Hügel, die die Landschaft südlich von Antananarivo prägen. In Antsirabe legen wir 3,5 Stunden nachdem wir in der Hauptstadt gestartet waren einen Stopp ein. Wir wollen unterwegs Picknick machen, schlägt Fanal vor. Denn auf dem Weg nach Morondava gäbe es kaum Gelegenheit, „gut“ zu essen. Mit „gut“ meint er die an Touristen gewöhnte Küche der Restaurants und nicht die für Einheimische Geschmäcker gedachten Hotelys. Das verrät er uns aber erst später. Also kaufen wir in einem kleinen Supermarkt noch ein paar Lebensmittel ein, bevor wir auf die RN34 abbiegen. Auf dem Weg nach Miandrivazo Die aufgewellte Landschaft ist vom satten Grün übersät. Um Antsirabe wächst in der vulkanischen Erde einiges. Und das wird auch fleißig auf den von Menschen gezogenen Karren, den Varambas, auf Zebu-Karren oder den Dächern der Taxi Brousses transportiert. Meist sind es aber die Menschen selbst, die Ihre Erträge …

Sagada – zwischen Himmel und Höhle

Schon immer fragte ich mich, weshalb wir unsere Toten unter die Erde bringen, damit sie dann in den Himmel kommen. Sollte man sie nicht gleich dem Himmel ein Stück näher bringen? So finde ich die Idee, Särge an hohe Kalksteinklippen zu befestigen, gar nicht mal schlecht. Da die Geister der Toten der Legende zufolge gern dem Himmel nah sind, haben schon vor Jahrhunderten die Menschen in Sagada die Särge der älteren, ehrwürdigen Verstorbenen an den Felsen befestigt. Die Igorots dieser Region wollten nicht unter der Erde liegen, da sie glaubten, die Seele der Toten würde unter der Erde erstickt werden. Seltsam ist es, erst einen Friedhof zu durchschreiten, auf dem die Toten ganz normal unter die Erde gebracht wurden. Dahinter führt ein Pfad bergab weiter zu den in den Himmel aufragenden Felsen, an denen die Särge hängen. Aber auch in Höhlen findet man hier abgestürzte Särge, die teilweise Einblicke in ihr Inneres bieten. So sieht man Schädel und Knochen herumliegen. Schilder weisen darauf hin, nichts aus den Särgen zu entnehmen. Sie dienten wohl eine Zeit …