Alle Artikel in: maddyswelt

Lençóis Maranhenses

Die weißen Bettlaken Lençóis Maranhenses – Im Rausch des Sandes

Die Meeresbrise liegt noch in der Luft, als sich vor uns hell schimmernde Sandberge auftürmen. Wir fahren hinein in das, was man „weiße Bettlaken“ – Lençóis Maranhenses – nennt. Und kurz darauf sind wir Teil dessen, was sich vor uns kunstvoll präsentiert – eine Landschaft die bewegt, und zwar im doppelten Sinne. Wüstenlandschaften wirken immer unwirtlich und irgendwie fremd. Ihr Minimalismus beeindruckt. Was man eben noch zu sehen geglaubt hat, verändert im nächsten Moment sein Erscheinungsbild. Dünen sind Getriebene des Windes. Sandkörner legen sich auf meiner Haut ab, suchen sich jede freie Pore. Die Natur vereinnahmt alles, was fremd ist, was nicht hierhin gehört. Der Wind peitscht über die Dünenkronen, schiebt Kanten und Rundungen immer wieder zu neuen Formen zusammen. Wie Fontänen spritzen die harten Körner aus den Hügeln heraus. Das Spiel von Sonne und Wolken tut sein Übriges. Minutenlang verharre ich an einer Stelle und lasse die Natur sich um mich herum bewegen. Licht und Schatten überziehen die Dünen und setzen sie immer wieder neu in Szene. Spuren, die mich hierher führten, sind längst nur …

Crestasee

Meine Wanderung in der smaragdgrünen Bergsee-Welt von Flims

Wanderer sind die glücklicheren Menschen und dem gibt auch die Medizin recht. Bewegung, Konzentration … Gehirnzellen und Motorik werden geölt. Meine Zeit in Graubünden dient also als Rezept für das Glück und für meine Gesundheit. Nach meiner Wanderung auf einem Teil des Sardona-Welterbe-Wegs führt mich mein letzter Tag in Graubünden noch einmal in die Wälder von Flims. Mit dem Postbus fahre ich früh am Morgen von Chur in die nahe Ortschaft, deren Name auf Flüsse verweist. Tatsächlich steht das Wasser im Mittelpunkt meiner Wanderung. Denn südlich von Flims findet man im Großwald vier wunderschöne Seen: Caumasee, Lag Prau Pulté, Lag Prau Tuleritg und Crestasee. Vom Flimser Waldhaus starte ich auf dem „Kulinarik-Trail Wald & Wasser“, der Bewegung mit Genuss verbinden soll. Den kulinarischen Teil lasse ich aus, denn in meinem Rucksack befindet sich ein Lunchpaket für unterwegs. Picknicken und Natur sind eine wunderschöne Kombination, der ich mich hier hingebe. Mein heutiger Weg führt mich durch die Wälder auf dem Schuttkegel des Flimser Bergsturzes – über den Caumasee der Rheinschlucht entlang nach Conn, zum Crestasee und dann via Felsbachschlucht zurück zum Flimser Waldhaus.  …

Teheran, Iran

Teheran – Aller Anfang ist schwer

Durch meine verklebten Lider erblicke ich schemenhaft eine Frau in einer modischen hellblauen Tunika. Sie trägt ein lässig übergeschwungenes Kopftuch. Erschrocken schaue ich auf den Bildschirm, dort steht vor dem kleinen Flieger das Wort „Teheran“. Ich muss eingenickt sein, denke ich mir. Hinter der Fensterscheibe schiebt sich am Horizont ein oranger Streifen in den nächtlichen Himmel. Aus der lockeren Wolkenschicht ragen Gipfel heraus. Mein Flieger befindet sich kurz darauf im Landeanflug. Die monotone beige-braune Fläche unter mir nimmt Gestalt an. Das Undefinierbare wird zur Wüstenlandschaft, wird zu einem Land – Iran. Ankunft in Teheran Und dann bin ich da. Die Uhrzeiger werden schnell um 2,5 Stunden nach vorn gedreht, so dass die Dämmerung auch einen Sinn ergibt. Ich bin die Erste, die aufgrund ihres Premium Economy Platzes von Bord der Germania-Maschine geht. Auf meinem Weg zur Visastelle ruft mir eine junge Dame von einer Versicherungsfirma zu, ob ich versichert sei. Ich nicke hastig. Doch sie bleibt hartnäckig, hakt nach, es geht um eine Reise- und nicht um eine Krankenversicherung. Nun hat sie mich. Nach einer durchgemachten Nacht könnte man mir wohl alles verkaufen, denke …

Atins

Atins und die Elemente der Natur

Meine Fußsohlen brennen, als ich in der Mittagszeit durch die Straßen von Atins spaziere. Die Erkundung des Ortes war wohl um diese Zeit keine gute Idee, soll ich schnell bemerken. Kaum ein anderer stapft bei diesen Temperaturen durch den Sand, und damit meine ich nicht die Lufttemperatur. Ich springe von Schatten zu Schatten, eiere über die heißen Sandkörner, die sich wie glühende Kohlen unter auf meinen Fußsohlen anfühlen. Wer sich mittags durch Atins bewegen will, tut dies mit Quad. In Atins lerne ich mich zu bändigen. Sand und Hitze führen mich zurück zur Langsamkeit. Vom Gestalter werde ich zum Beobachter. Der mühevolle Weg nach Atins 40 Minuten nach unserer Abholzeit um 7 Uhr klingelt es endlich an der Tür von Casa Frankie. Ein gut heruntergekühlter Van wird uns und zwölf weitere Passagiere für 60 Reais p.P. nach Barreirinhas bringen. Dort wollen wir noch vor der Mittagspause, die hier immer alles in einen Schlaf stürzt, auf das Boot nach Atins wechseln. Doch eigentlich hätte ich es besser wissen müssen, wenn es um Pläne machen geht. Lateinamerika tickt …

Pass-3

Abgestempelt II

Wozu benötigt man heutzutage einen Reisepass, fragt mich meine Sitznachbarin im Wartesaal des Lichtenberger Bürgeramtes. Wir beide warten schon seit 45 min – trotz Termins. Doch an diesem Brückentag zieht es nicht nur uns hierher. Der Raum ist voll mit Wartenden. Die ältere Dame holt einen Pass für ihren Sohn ab. Er arbeitet auf Montage. Während ich die Zeit meiner Mittagspause ungeduldig runterzählen sehe, ist sie völlig entspannt und an einem Gespräch mit mir interessiert.  Ich erkläre ihr, dass man den Reisepass durchaus benötigt, wenn man ins Ausland  reist und zeige ihr meine bunt abgestempelten Seiten. Mein Pass erzählt Geschichten von meinen letzten 4 Jahren.  Er ist Tagebuch im Stillen. Die Rentnerin schaut mich verunsichert an und fragt mich, ob sie auch einen Reisepass benötigt. Sie plant Anfang 2018  eine Schiffsreise mit Ruten oder so. „Norwegen? Hurtigruten? – Nein.“ Nach nur vier Jahren hat mein Pass erneut ausgedient. Eine letzte Doppelseite wurde von dem etwas mürrisch dreinschauenden Brasilianer an der Passkontrolle abgestempelt. Diese letzte Seite war eigentlich für mein letztes Reiseland 2017 reserviert, doch das …

Belém, Brasilien

Belém – Das Tor zum Amazonas zwischen Verfall und Reichtum

Dicke, graue Wolken liegen über Belém, als wollten sie sich gleich über der Stadt ergießen. Ich bin am Tor zum Amazonas und dieses ist weniger idyllisch, als das, was die Natur am Delta des wasserreichsten Flusses der Welt sonst so verspricht. Farbige Boote und eine faulige Brise Belém geht durch die Nase. Riecht es sonst nach einem Regenschauer sandig-frisch, so verstärkt sich in den Straßen der Stadt noch der Gestank des Abwassers, Mülls und Urins. Dabei leuchten die Fassaden, Boote und Gaiolas im kleinen Fischerhafen am Ende der Avenida 16 de Novembro farbenfroh im gedämmten Licht, das die Sonne durch die Wolkendecke herabschickt. Doch die bröckelnden Fassaden und die engen Gassen, die mit Verkaufsständen gepflastert sind, sprechen eher von Verfall. Zwischen den bunten Amazonasbooten, die zur Ebbezeit im Sand gestrandet liegen, verteilt sich der Müll. Schwarze Geier wachen ungeduldig darüber und halten Ausschau nach Beute, die es hier massenweise gibt. Bei über dreißig Grad Temperatur fault, verwest und vergärt alles, wenn sie es sich nicht schnell genug schnappen – ob weggeworfene Fleischüberreste und Fischinnereien, verfaultes Obst oder Essensreste. …

Sierra Norte, Mexiko

Wanderung in der Sierra Norte – zwischen den Pueblos Mancomunado Cuajimoloyas und Latuvi

Langsam legt sich mit der untergehenden Sonne eine zaghafte Geräuschkulisse über das Dorf. Hühner gackern, Vögel zwitschern, Esel schreien. Aus der kleinen Kirche auf dem gegenüberliegenden Hügel am anderen Ende des Dorfes tönen Lieder. Die kleinen Häuser mit Wellblechdächern reihen sich an einer Straße entlang. Menschen sind nicht zu sehen. Ansonsten liegt der kleine Ort Latuvi auf 2450 m Höhe in einer bewaldeten Berglandschaft – ganz still und leise. Die verschiedenen Farbnuancen der Pinien und Laubbäume verlieren sich im Dunst, der der Szenerie die Schärfe nimmt und den Horizont in feinen grauen Linien verschwimmen lässt. Fast wie eine Traumlandschaft liegt die Sierra Norte vor mir. Meine müden Füßen wippen längst im Rhythmus der Hängematte, von der ich nach meiner 5,5 stündigen Wanderung den Ausblick genieße. Wer nach Latuvi kommt, tut dies meist zu Fuß. Wanderung in der Sierra Norte zwischen den Pueblos Mancomunado Auch wir sind heute von dem kleinen Ort Cuajimoloyas gewandert. Der Puls von der nur 53 km entfernten Stadt Oaxaca schlug nicht in meinem Takt. In nur 1,5 Stunden ließ ich am …

Segnaspass, Graubünden

Allein in den Bergen in Graubünden – meine Wanderung auf dem Sardona-Welterbe-Weg

„Nur noch wenige Meter, dann hast Du es geschafft. Bei schönem Wetter kann es einem nur gut gehen!“ ruft die Wirtin der Segnespass Mountain Lodge der abgekämpften Wanderin zu, die noch den letzten steilen Abschnitt auf Geröll bewältigen muss, bevor sie sich auf der Terrasse mit dem Blick über die Tschinglen Alp ausruhen kann. Die Wirtin dreht sich dann zu uns um und meint: „Du kannst den Weg noch so oft hochgehen, er tut immer wieder weh.“ Zufrieden nippe ich an meinem Kaffee, den ich mir in allen Lebenslagen gönne. Nur wenige Minuten zuvor habe ich mich an der Tschinglen Alp und der Brünschegg abgearbeitet. Immer die Tschingelhörner und das Martinsloch mit der feinen, aber deutlichen Linie der Glarner Hauptüberschiebung vor mir, ging ich den Aufstieg zu ehrgeizig an. Schnell erreichte ich den Punkt, an dem sich das Hirn ausschaltet, um alle Kräfte in die Beine zu entsenden. So gern ich das Wandern zum Nachdenken nutze, so merkte ich, dass dies erst nach der Passüberschreitung gelingen konnte, als der Automatismus auf den Beinen wich und …

Costa-Rica, Tenorio Volcano National Park, Rio Celeste

Rio Celeste: Wandern an Costa Ricas blauem Fluss

Kolibris flattern vor der Trinkstelle im Garten auf einer Stelle. Im Baumgeäst ruht ein Faultier. Aus dem grünen Dickicht brüllt es aus der Ferne. Wir sind in dem kleinen Ort Bijagua, der sich nur 15 km vom Parkeingang des Parque Nacional Volcano Tenorio und zwischen den Ausläufern der inaktiven Vulkane Miravalles und Tenorio befindet. Zehn Minuten bleiben mir, um meinen Rucksack im Zimmer zu verstauen, bevor wir  uns auf einen kurzen Spaziergang über das Gelände der Tenorio Lodge zu begeben. Ich ziehe die Vorhänge beiseite und lasse mich aufs Bett fallen. Es braucht keine Bewegung in diesem Moment, um Natur zu entdecken. Die Natur ist da, umgibt mich hinter der Glasscheibe und dem offenen Gitternetzfenster. Einen Moment innehalten. Während vor mir Wolken und Nebel die Berge umspielen und die Natur sich ihr prächtigstes Grün übergezogen hat, frage ich mich, wie ich es eigentlich in der Stadt noch aushalte. Was manchen das Meerblau ist, ist für mich das Grün. Je dichter und kräftiger mich das Blattwerk einhüllt, desto tiefer atme ich durch. Der Sound der Natur begleitet meine Nächte. Kurz vor …

Brandenburg, Uckermark, Boitzenburg

Seen der Uckermark

Wenn man mich derzeit fragt, was ich am Wochenende so mache, erwidere ich häufig: „Ihr findet mich in der Uckermark.“ Was mir in den letzten Jahren die Mecklenburger Seenplatte (und das beschauliche Dörfchen mit dem süßen Namen Kakeldütt) war, ist mir nun wieder das Gebiet zwischen Prenzlau, Fürstenberg, Zehdenick und Templin. Die Uckermark ist inzwischen zum (Zweit-)Wohnsitz vieler Berliner avanciert und so verwundern auch nicht die vielen B-Autokennzeichen auf den Straßen und Hinterhöfen. Manch ein Uckermärker ruft uns schon zu, dass hier die „Buletten“ alles wegkaufen. Knapp 600 Seen locken die Großstädter in die eiszeitlich geprägte Jungmoränenlandschaft, die alles andere als langweilig und monoton daherkommt. Schroff, wild und doch wunderschön, zieht sie viele Naturliebhaber aller Altersgruppen in den Bann. Wenn ich durch duftende Wiesen spaziere und auf holprigen Feld- und Waldwegen entlangfahre, die fast immer irgendwo etwas Unentdecktes preisgeben, wähne ich mich sofort auf einer kleinen Reise. Die Großstadt ist dann weit weg. Den Entdeckerdrang kann man in der Uckermark wunderbar ausleben. Wer träumt am Ende eines Ausflugstages nicht von einem Haus am See? Vielleicht ist es auch ein bisschen Nostalgie, die in …