Alle Artikel in: maddyswelt

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Donaudelta – eine Bootsfahrt ins Vergessen

Hinter uns zieht die Sonne einen rosaroten Streifen über den Horizont der Donau. Pferde grasen am Ufer des Flussarms. Es ist spät, als wir Letea verlassen. Zu spät eigentlich. Doch der Drehschluss hatte sich hinausgezögert und das Abendessen stand im verschlafenen Ort auch schon bereit. Also blieben wir noch eine Weile, bis uns die untergehende Sonne zum Aufbruch animierte. Ein Storch flattert mit Stöckchen im Schnabel über unsere Köpfe hinweg. Kaum ein Mast, der hier im Donaudelta nicht ein Storchennest trägt. Teddy, unser Fixer, Stringer oder wie auch immer man diesen Location- und Personenscoutjob beim Film sonst noch alles nennt, erzählt mir einen Storchenwitz, der mit der Pointe endet, dass der Vater seinem Sohn mitteilt, er wüsste nicht, dass er je Sex mit einem Storch gehabt hätte, als sein Sohn meinte, Kinder würden vom Storch gebracht. Überhaupt mag es Teddy, der mein dreifaches Gewicht auf die Waage bringt, eher derb und deftig. Damit kann ich gut umgehen, aber weniger mit seinen Ausflügen in Kriegsfeldzüge und mit den Zitaten seines verehrten Generalfeldmarschalls und Wüstenfuchs Rommel. Dieser Geschichtsstoff …

Krummer Wald

Von krummen Wäldern in Polen und einsamen Dörfern und Seen in der Uckermark

„Ich wollte doch nur an einen See.“ Und dann stand ich im Garten eines einstigen Gutshauses, dem gerade wieder etwas Leben eingehaucht wird. Gegenüber liegt ein verlassener Kornspeicher, den sich die Natur gerade zurückerobert und vor mir ein verwunschener See. Manche Orte entdeckt man zufällig. Dieser war, als wir auf der Terrasse des Rosencafés in Radekow saßen, der einzige blaue Fleck auf der Landkarte, der uns Abkühlung vor der Hitze versprach. Überhaupt suche ich häufig nach dem Blauen auf der Landkarte und entdecke dann das Grüne und Braune drum herum. Ein Schloss-See hieß es, soll es sein. Nur wenige Minuten später befinden wir uns auf der knorrigen Allee, die direkt in das etwas verlassen anmutende Örtchen Damitzow führt. Von verlassenen Dörfern in der Uckermark Gleich am Ortseingang wartet auch schon die sehnsüchtig erhoffte Badestelle mit einem kleinen Parkplatz. Doch irgendetwas zieht mich weiter in den Ort hinein. Vom Dorfteich höre ich das Quaken der Frösche und Kröten, aus den Bäumen zwitschert es und so ganz kann ich mich nicht entscheiden, welchen Eindruck ich von diesem …

Pazifik

Mit Surfbrett und Kajak an der Pazifikküste von Costa Rica

Meine Lider arbeiten gegen die Schwere an, die sich in den letzten 29 Stunden meiner Anreise wie Blei über meinen Körper gezogen hat. Doch genau jetzt will ich wach sein. Es sind erst sieben Wochen vergangen, als ich stundenlang in den rauen Pazifik schaute und mich an den tosenden Wellen erfreute, nicht ahnend, dass ich schon bald wieder dem Klang seiner rauschenden Wassermassen lauschen würde. Und nun erscheint das tiefe Blau des Ozeans unter mir, das in das türkisfarben auf dem dunklen Sand ausläuft. Geräuschlos und sanft bewegt sich das Meer rhythmisch unter mir. Das Motorengeräusch mag musikalisch nicht ganz zu dem passen, was sich mir bei meinem Blick durch die kleine, zerkratzte Scheibe der Air-Natura-Maschine bietet. Ankunft in Nosara – unter uns das Meer Als plötzlich kleine farbige Punkte im Wasser auftauchen, weiß ich, dass wir endlich da sind. Surfer paddeln eifrig durch das Wasser und sind der Wegweiser zu unserem Ziel. Dieses liegt auf der Nicoya Halbinsel, die ich vor 15 Jahren das letzte Mal besuchte. Mein damaliger Badeort, Tamarindo, soll inzwischen gut besucht sein sich vom …

Strausberger Platz

Unter mir wohnt Karl Marx

Ein sanftes Grundrauschen anfahrender Autos tönt durch die gut abgedichtete Fensterscheibe hinauf in meine Wohnung. Es ist ein sonniger Morgen, an dem man jeden Sonnenstrahl einfangen und die frische Luft in das vom Winter gezeichnete Gemäuer hineinlassen möchte. Ich öffne das Fenster und lausche dem Plätschern des Springbrunnens, der sich unter die Geräuschkulisse mischt. Imposant tösen 43 Wasserfontänen aus dem „Schwebenden Ring“. Die mittlere Wassersäule sprudelt fast 18 m hoch in den blauen Himmel. Es gibt schlechtere Ausblicke, denke ich mir, während das Plätschern den restlichen Lärm fast wegdrückt. Der ewige Kreis Ein halbes Jahr schaue ich nun fast jeden Morgen hinunter auf die haltenden Autos und Radler. An manchen Tagen versuchten junge Leute mit Akrobatik und Jonglieren die Wartezeit derer zu verkürzen. Autofahrer mögen das Unerwartete. So war es nicht verwunderlich, dass der Handstand Geld einbrachte, jonglierende Bälle und Keulen jedoch nichts. Dichte und Modetrends der Radfahrer ändern sich mit der Jahreszeit. Quietschgelbe Warnwesten und Helme haben vor allem in den dunklen Monaten Hochkonjunktur. Mit den wärmenden Sonnenstrahlen mehren sich die Radler an der Ampel. …

San Agustillenio

San Agustinillo – Menschen, die auf’s Meer starren

Rote Flaggen wehen im Wind, als ich an diesem Morgen durch den kühlen Sand an das Meer trete. Surfbretter lehnen an den Holzstämmen, die die Sonnenüberdachung stützen. Doch sie wollen erst später am Tag eingesetzt werden. Links und rechts begrenzen Felsen die Bucht von San Agustinillo. Sanft werden sie vom grau-blauen Wasser umspielt. Wellen tösen in der Brandung. In diesem kurzen Moment des Morgens gibt es nur mich, den Strand und das Meer. Als nur wenige Augenblicke später im Osten die Sonne den Himmel orange färbt, finden sich weitere Touristen am Strand ein, um zu meditieren, Yoga zu machen, zu laufen oder zu spazieren.   Nur eine Nacht trennt das quirlige Stadtleben Oaxacas vom Meeresrauschen des Pazifiks. Mein Bus windete sich rasant durch die Dunkelheit in der Sierra, die hin und wieder von der zaghaften Beleuchtung einiger Behausungen und Siedlungen am Wegesrand durchbrochen wurde. Wie eine leuchtende halbierte Orangenschale lag der Mond im Himmel und wich nicht von meiner Seite. Dann schüttete der Bus eine Handvoll Passagiere in der Kleinstadt Pochutlo aus. Der Busbahnhof war nicht einmal beleuchtet. Silhouetten …

Campeche

Campeche – der Ruhepool Yucatáns

„Die Stadt ist voll mit Ratten und Piraten.“ Breit grinsend bleibt ein Campechano vor mir stehen, kaum dass ich mich auf die schattige Bank gesetzt habe. Sein Leben passiert auf der Straße, so gesehen muss er wissen, wovon er spricht, wenn er mir seine Sicht auf die glänzende Fassade der UNESCO-Weltkulturerbestadt Campeche schildert. Ein Spaziergang auf der Stadtmauer Die Sonne knallt gnadenlos auf uns herab, belichtet das historische Zentrum, das von einer Mauer umschlossen ist, über. Die eisernen Balkon- und Fenstergitter an den farbigen Hauswänden werfen zu dieser Tageszeit kleine Schatten. Nur wenige Menschen schlendern bei 35 Grad durch die Straßen des Kolonialstädtchens. Touristen sieht man kaum. Mit Langsamkeit und Müßiggang lässt sich Campeche erkunden. Ein Stück der Mauer kann man sogar begehen, man sollte dies nur vielleicht nicht wie wir ausgerechnet mittags tun. Denn hier gibt es nichts, was Schatten spenden könnte. Wir sind allein hier oben. Der einstige Reichtum der Stadt war Anlass für unzählige Überfälle durch britische und niederländische Seeräuber. Dies führte im 17. Jahrhundert wiederum nach sich, mit Hilfe der spanischen Krone …

Mexiko, Tulum

The Feeling of Tulum

„Spürst Du etwas?“ „Nein, und Du?“ Während meine Schwester etwas belustigt aus dem Lonely Planet zitiert, lass ich die Maya-Ruinen von Tulum auf mich wirken. Durch ihre 784 m lange dreiseitige Ummauerung, die nur zum Meer geöffnet ist und bei Sonnenaufgang das Licht in sich auffängt, ist Tulum durchaus etwas Besonderes. Und das Setting auch: Eine historische Stätte auf Klippen küsst die weißen, palmengesäumten Sandstrände und die türkisblaue Karibik. Das ist Postkartenidylle pur und schreit nach Besuchern. Ein Besuch der Mayastätte in Tulum – Zwischen Vorstellung und Wirklichkeit Alles ist herausgeputzt, Wege gesäubert, Rasen gemäht, auf dem die rund 700-1000 Jahre alten Ruinen herausragen, als seien sie erst frisch erbaut. Zu wenige Ecken und Kanten, zu wenig wilde Natur. Kaum zu glauben, dass sie bei ihrer Wiederentdeckung 1842 vom Dschungel überwuchert waren. Nur wenige Bäume spenden Schatten. Von Tulum wurde im 13. und 14. Jahrhundert der Sternenhimmel beobachtet, besonders Venus war im Visier. Fenster sind so ausgerichtet gewesen, das sie die Sonnenstrahlen zur Wintersonnenwende auffangen. Eine leichte Meeresbrise zerzaust meine Haare, als ich in der brütenden Hitze durch die …

Palast La Moneda

Santiago de Chile unter einer Dunsthaube

Die Gipfel der Anden, die Santiago de Chile einrahmen, verlieren sich im Dunst der Stadt. Immer wieder fallen meine Lider zu, während sich spanische Fetzen durch meine Gehörgänge bohren. Ich fühle mich irgendwie wieder zuhause, obwohl ich noch nie in Chile war. Aber die Füße auf den südamerikanischen Kontinent zu setzen, ist immer wieder wie ein „Zurückkommen“ – egal in welches Land. Dass ich 2016 hier landen würde, war nicht vorhersehbar und auch nicht geplant. Eigentlich wollte ich ein Jahr pausieren, einen Bogen aus persönlichen Gründen darum machen, und dann kam alles anders. Weil eine Reise, die ich mir nicht erträumte, genau hier ihren Anfang finden sollte. Weil ich in Kürze schon Südamerika wieder verlasse, um zu den Ufern eines anderen Kontinents aufzubrechen: der Antarktis. Santiago de Chile vom Gipfel des Cerro San Cristóbal Nur wenige Stunden bleiben, bis ich wieder am Flughafen sein werde. Eine Stadttour wurde für uns gebucht. Völlig übernächtigt nehme ich auf, was mein Gehirn nicht weiter zu verarbeiten fähig ist. Ich bin überfordert – mit mir, dem Programm und der …

Chobe NP, Botswana

Chobe Nationalpark – Zwei Tage im Elefantenparadies in Kasane

Immer wieder fällt mein Blick auf den verwaisten Kondomautomaten, der neben dem Zoll-Schalter am Grenzübergang bei der Ngoma Bridge hängt. Es ist das erste Bild, das sich mir von Botswana bietet. Ich frage mich, ob der Automat noch funktionieren würde, wäre er denn gefüllt. An den Wänden hängen Aidsaufklärungsplakate – die Problematik der hohen HIV-Ansteckungsrate, die in mehreren Ländern des südlichen Afrikas einen Anteil von weit über 10 % an der Gesamtbevölkerung aufweist, bekommt sofort ein Gesicht. Aber auch die enorme Anstrengung, die die Regierung Botswanas vorbildhaft seit vielen Jahren in dieser Hinsicht unternommen hat – beispielsweise mit dem erfolgreichen staatlichen Therapieprogramm MASA für HIV/AIDS- Patienten. Im Immigration-Häuschen herrscht eine ausgelassene Stimmung, die vielleicht auf den morgigen Feiertag zurückzuführen ist. Nach der gedämpften Atmosphäre in Namibia hallt das Lachen der tiefen Frauenstimmen noch stärker durch den Raum und gibt mir sofort das warme Gefühl Afrikas zurück. In akribischer Schönschrift notiert sich die Frau auf der anderen Seite der Scheibe unser Autokennzeichen und kassiert die Straßennutzungsgebühr. Gut gelaunt werden wir zurück auf die Straße entlassen. Niemand, der den obligatorischen Fleisch-, …

Halifax

Der Geschmack von Halifax

„Es gibt nur eine Straße, die nach Halifax führt.“ Der junge Mitarbeiter der Mietwagenfirma lacht herzhaft, als er meine Frage nach dem schnellsten Weg hört. Natürlich hatte ich beim Landeanflug auf den Flughafen der Provinzhauptstadt von Nova Scotia bereits gemerkt, dass sich unter mir ein breites Meer an sattem Grün ausbreitet, das nur von kleinen Wasserflächen durchbrochen wird. Von Halifax war weit und breit keine Spur. 400.000 Einwohner der Metropolregion müssen doch irgendwie sichtbar sein. 45 Minuten später befinde ich mich Downtown Halifax, checke ich im The Halliburton in der Morris Street ein. Hier wartet ein Drei-Gänge-Menü auf mich, doch zuvor drängt es mich hinunter zum Hafen. Flanieren in der Hafengegend von Halifax Ich bin noch keine zwei Stunden in der Stadt, als ich mich auf dem 3,8 km langen Harbour Walk von Halifax wiederfinde. Tief liegen die Wolken über dem Wasser und verschlucken fast die gegenüberliegende Georges Island mit ihrem Leuchtturm im endlosen Grau. Zwischen Pier 21 und Casino Nova Scotia zieht es Einheimische und Touristen gleichermaßen auf die Holzplanken der Uferpromenade. Jugendliche halten ihre Angelschnüre …